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Mein Geheimtipp für Euren Rom-Trip: Ab in den Süden!

Vom Mercato Testaccio hat man den besten Ausblick auf den Riesen-Wolf.
Vom Mercato Testaccio hat man den besten Ausblick auf den Riesen-Wolf.

Der Stadtteil Testaccio im Süden der Ewigen Stadt ist unter Touristen vor allem für Food-Touren bekannt. Allerdings kann man auch satt, großen Spaß in dem traditionellen Arbeiterviertel haben. Ostiense, mit seinen aufgehübschten Industrie-Ruinen hat sich in den letzten Jahren vor allem als Partyviertel etabliert. Bei Tageslicht betrachtet hat diese junge Ecke von Rom einiges an Sehenswertem zu bieten. Überzeugt Euch selbst: 

Über den Aventin nach Testaccio

Zu allererst möchte ich davon überzeugen, euren Tag im Süden der Ewigen Stadt mit einem Spaziergang über einen der 7 römischen Hügel zu beginnen, den Aventin. Dort oben warten unvergessliche Ausblicke auf Rom auf Euch. Ihr erklimmt den Aventin vom Circus Maximus aus und spaziert  geradeaus über die Via S. Sabina. Ihr folgt dem Straßenverlauf einfach abwärts und schon steht ihr mitten in Testaccio. Von dort aus sind alle Plätze und Orte, die ich Euch in Testaccio und Ostiense zeige, gut zu Fuß zu erreichen. 

Nuovo Mercato Testaccio

Das moderne Zuhause des Marktes in Testaccio
Das moderne Zuhause des Marktes in Testaccio

Großer Vorteil des Stadtteilmarktes in Testaccio: Er ist  wetterfest. Die schneeweißen Marktstände, die hier Box heißen und Nummern tragen, werden von einer modernen Halle vor Regen geschützt. Außerdem fällt sofort auf, mit wie viel Liebe zum Detail die Stände hier gestaltet sind und die Produkte präsentiert werden. Man hat eher das Gefühl durch eine hübsche Einkaufs-Mall zu laufen, statt über einen traditionellen Mercato. Neben essbaren Köstlichkeiten, könnt Ihr hier Schuhe, Schmuck und Deko-Artikel entdecken. 

Einige der "Food-Boxen" möchte ich explizit erwähnen, weil sie echte kulinarische Highlights sind: 

 

Box 15 = Mordi e Vai = köstliche römische belegte Brötchen 

Box 30/44 = Romeo Chef & Bakery = "Cups", Becher gefüllt mit Kreationen

der Sterneköchin Cristina Bowerman

Box 83 = Vegan Store = 1. veganer Marktstand in Rom mit großer Auswahl 

 

Mitten in der Markthalle liegt ein Café. Von hier aus könnt ihr bei einem Cappuccino das Kommen und Gehen auf dem Markt beobachten. Eine Übersicht über alle Marktstände findet Ihr auf der Homepage des Nuovo Mercato Testaccio.  

 

Via Galvani/ Via Beniamino Franklin, Mo - Sa, 7 - 15.30 Uhr 

Einfach alles zum Anbeißen - Ein besonders gut sortierter Marktstand auf dem Mercato Testaccio.
Einfach alles zum Anbeißen - Ein besonders gut sortierter Marktstand auf dem Mercato Testaccio.

Ex-Mattatoio

Eingang zum Gelände des Ex-Schlachthofes in Testaccio.
Eingang zum Gelände des Ex-Schlachthofes in Testaccio.

Als der Schlachthof Ende des 19. Jahrhunderts eingeweiht wurde, galt er als einer der modernsten in ganz Europa. Damals lebten 400.000 Menschen in Rom. 1975 wurde der Schlachthof endgültig geschlossen. Der Platz auf der 25.000 qm Fläche war zu klein geworden, um den Fleischbedarf von 3 Millionen Römern zu decken. Nach der Schließung fristeten die Gebäude eine Art Dornröschenschlaf als Industriearchäologie. Erst ab 2000 kam wieder richtig Leben in die Hallen. Heute befindet sich auf dem riesigen Areal ein Teil der römischen Uni, eine Musikschule, eine Außenstelle des MACRO (Museum für moderne Kunst) und die Città dell´altra economia. In der "Stadt des alternativen Wirtschaftens" dreht sich alles um Nachhaltigkeit. Es gibt dort einen Bio-Supermarkt, ein Bio-Sterne-Restaurant und jeden Sonntag findet ein Alternativmarkt mit Musik und Events für Kinder statt. Ich laufe auch gerne unter Woche über das Gelände. Vorbei an den teilweise renovierten Hallen, auf denen noch die alten Bezeichnungen stehen. Es ist der ideale Ort, um den  eigenen Fleischkonsum mal kritisch in Frage zu stellen. Manche der Räumlichkeiten befinden sich noch im Originalzustand. Durch die Türschlitze kann man noch alte Geräte  erkennen und ihren Sinn erahnen. Die Förderhaken, an denen das Fleisch über den Schlachthof transportiert worden sind überall noch erhalten. Wenn Ihr schon einmal dort seid, schaut auf jeden Fall einmal im MACRO vorbei. Ich zumindest finde die Ausstellungen der Aussenstelle des Museum für moderne Kunst oft sehr interessant. 

Shopping-Bummel Durch Testaccio

Rund um die Piazza Testaccio stehen Bänke, von denen aus man prima den römischen Alltag beobachten kann.
Rund um die Piazza Testaccio stehen Bänke, von denen aus man prima den römischen Alltag beobachten kann.

Im "meinem" styleguide Rom für NATIONAL GEOGRAPHIC habe ich Testaccio ein eigenes Kapitel gewidmet. Neben einer Vielzahl von traditionellen Restaurant trifft man hier auf einige tolle Shops. Nach dem Besuch des Ex-Mattatoio lauft ihr geradeaus über die Via Galvani zurück. Den Hügel auf der rechten Seite solltet Ihr Euch einmal genauer anschauen. Seht ihr die aufeinandergeschichteten Tonscherben? Die stammen von antiken Amphoren, in denen die alten Römer zum Beispiel Öl transportiert hatten. In der römischen Antike hatte sich in Testaccio ein großer Hafen befunden, über den Waren aus der ganzen Welt in die Ewige Stadt kamen. Zerbrachen die großen Tonkrüge, so wurden die Scherben auf einen Haufen geworfen, der mit der Zeit immer größer wurde. Heute haben  sich rund um diese antike Müllhalde, Bars, Cafés, Clubs und Restaurants niedergelassen. Leider darf man den Hügel nur in Rahmen von Führungen besichtigen. Von dort oben hat man einen tollen Blick über die Stadt. 

Der Monte Testaccio oder Monte dei Cocci besteht aus den Scherben antiker Amphoren.
Der Monte Testaccio oder Monte dei Cocci besteht aus den Scherben antiker Amphoren.

Ihr biegt links in Via Lucca della Robbia ab. Wer auf ausgefallen Schmuck und wunderbaren Kitsch steht sollte unbedingt bei Le Bambole in der Hausnummer 11 vorbeischauen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Emporio delle Spezie kommen Gewürzfans auf ihre Kosten.  An der nächsten Straßenecke rechts findet Ihr bei Assemblea handgefertigte Tassen, Porzellan und hübsches Kunsthandwerk.

Die Via Maestro Giorgio liegt direkt um die Ecke. In der Hausnummer 18 werden Fashion-Liebhaberinnen bei Fairytale bestimmt ein schickes Mitbringsel aus Rom finden. Die Herren sollten einfach zwei Geschäfte weiterziehen. Im Real STYLE hängt hauptsächlich Mode aus England an den Stangen. Jetzt lauft einfach weiter geradeaus - vorbei an der Piazza Testaccio - bis ihr zu einem großen Platz Piazza di Santa Maria Liberatice kommt. Hier bitte links abbiegen und auf die Kirche am Kopf des Platzes zu laufen. Wer Lust hat sollte ruhig einen Blick in das Gotteshaus wagen. Der Innenraum ist für römische Verhältnisse überraschend schlicht. Wer Hunger hat läuft nur ein paar Meter weiter in die Via Giovanni Branca 88. 

Trapizzino

In Rom sind die Pizzataschen von Trappizino ein echter Renner. Geröstet werden sie mit diversen Füllungen angeboten: mit Fleischbällchen, Burrata mit Sardellen, Hähnchenragout oder typisch römisch auch mit Innereien. Mittlerweile gibt es bereits einige Trapizzino-Filialen in der Ewigen Stadt, der Laden in Testaccio ist aber mit Abstand der Schönste. Ich wünsche Buon Appetito!

Trappizzino, Via Giovanni Branca 88. 

Eine Pyramide und ein Nichtkatholischer Friedhof

Der Campo Cestio, der Friedhof für Nichtkatholiken, ist für mich einer der ungewöhnlichsten Orte in ganz Rom. Viele Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Dichter und Diplomaten, die vor allem im 19. Jhd. nach Rom gekommen waren, haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Eine illustre Gesellschaft mit internationalem Flair. In 15 Sprachen sind die teilweise anrührenden Grabinschriften verfasst. So finden sich hier zum Beispiel die Gräber der englischen Dichter Keats und Shelley. Einer von Goethes Söhnen, August, liegt hier begraben. Im Schatten der Aurelianischen Mauer und unter hohen Zypressen ist es herrlich still. Wilde Katzen stromern zwischen den Grabsteinen umher oder gönnen sich ein Sonnenbad. Betreut werden sie in einer nahen Katzenstation, die direkt an der Pyramide des Cestius liegt. 

Vor einigen Jahren wurde die Pyramide restauriert. Heute erstrahlt sie wieder in hellem Weiß. Vom ältesten Teil des Friedhofs, wo sich auch die Gräber der englischen Dichter Keats und Shelley befinden, hat man einen guten Blick auf die Pyramide des Cestius. Zu Zeiten des Volkstribuns Gaius Cestius Epolu (gestorben ist er 12 v. Chr.) waren ägyptische Pyramiden als Grabstätte der neueste Schrei in der römischen Upperclass. Später wurde die Pyramide in die Aurelianische Mauer, der römischen Stadtmauer integriert. 

Starb ein Nichtkatholik in Rom, durfte er laut päpstlicher Verwaltung nicht auf den Friedhöfen innerhalb der Stadtmauer beerdigt werden. So entstand der Campo Cestio zuerst als ein anonymes Gräberfeld, auf dem zudem nur nachts Beerdigungen erlaubt gewesen waren. Diese strikten Regeln wurden übrigens erst mit dem Ende des Kirchenstaates 1870 aufgehoben. 

Campo Cestio, Via Caio Cestio 6, Öffnungszeiten: Mo - Sa 9 Uhr bis 17 Uhr, So 9 -13 Uhr

Street-Art in Ostiense

In Ostiense ist Street-Art schon länger zu Hause. Der Künstler BLU hat eine komplette Ex-Kaserne zum Kunstobjekt verwandelt.
In Ostiense ist Street-Art schon länger zu Hause. Der Künstler BLU hat eine komplette Ex-Kaserne zum Kunstobjekt verwandelt.

Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein  Industriegebiet im Süden der Stadt. So entstanden entlang der Via Ostiense  zum Beispiel  eine Gasanlage, ein Heizkraftwerk und der römische Großmarkt. Nach dem zweiten Weltkrieg verlor Ostiense an Bedeutung und zurück blieben leerstehende Industrieanlagen und Hallen. Viel Platz und Raum, den Künstler und  Gastronomen eroberten. Heute trifft sich das junge Rom in den angesagten Restaurants, Bars und Diskotheken des Viertels. Außerdem ist Ostiense für seine sehenswerte Street-Art bekannt. 

DAs Gazometro - Ein Kolosseum der Neuzeit

Das Stahlgerippe des Gasometers gilt als Wahrzeichen von Ostiense und feierte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Wenn Ihr auf einem der vielen Hügel in Rom steht und nach Süden schaut, solltet Ihr das Gazometro eigentlich entdecken können. Immerhin ist das ehemalige größte Gasometer Italiens 90 Meter hoch. Früher wurde hier Gas gelagert, heute finden im Sommer rund um das Kolosseum der Neuzeit zahlreiche Events statt. 

Gazometro, Via del Commercio 36 

Blick auf das Gasometer vom Gelände der Città dell´  altra economia aus.
Blick auf das Gasometer vom Gelände der Città dell´ altra economia aus.

Centrale Montemartini - Antike Kunst im Heizkraftwerk

Die Centrale Montemartini in Ostiense zählt zu den optisch interessantesten Museen in ganz Rom. Finde ich zumindest. Als vor einigen Jahren in den Kapitolinischen Museen wegen Umbauarbeiten Platzmangel herrschte, zog ein Teil der Ausstellung in das ehemalige zwischenzeitlich renovierte Kraftwerk um.  Das Aufeinandertreffen von Industrie-Archäologie des frühen 20. Jahrhunderts und antiker Kunst fanden die Besucher so spannend, dass aus diesem Arrangement eine Dauerlösung geworden ist. Der Anblick von schneeweißen Statuen vor riesigen Dieselmaschinen ist wirklich eine Reise ins Viertel Ostiense wert. 

Via Ostiense 106, Metro B bis Piramide, Bus 23 bis Via Ostiense/Garbatella 

Sushi und AloAh-Feeling in Ostiense

Ostiense ist eines der!! Ausgehviertel in Rom. Darunter sind zwei Locations, die ich persönlich auch sehr gerne besuche und Euch deshalb gerne vorstellen möchte. 

Sushi all you can eat in Ostiense
Sushi all you can eat in Ostiense

Sushi ist in Rom zur Zeit total angesagt und Ostiense verfügt über die höchste Sushi-Laden-Dichte. Meine Lieblingslocation für rohen Fisch ist das Oishi in der Via del Gazometro 40b. Das Restaurant ist am Wochenende so voll, dass die Tischreservierungen in zwei festen Schichten rausgegeben werden. Erfolgsrezept des Oishi: Sushi all you can eat für 19,90 EUR am Abend und 14,90 EUR am Mittag. 

In der Makai Tiki Bar in der Via dei Magazzini Generali 4 kann man zwischen American-Surf-Beach-Ambiente und Aloah-Feeling wählen. In der oberen Etage wähnt man sich in San Franzisko, im Keller auf Hawai. Ich bevorzuge die untere Etage. Das Ambiente ist herrlich kitschig, die Cocktails sehr süffig und regelmäßig treten Tanzgruppen in Baströckchen auf. Das Publikum ist so um die 30 und lässiger unterwegs, als das schicke Partyvolk im Zentrum von Rom.