Meine persönlichen Top 25 - Lieblingsplätze in Rom

Im Freilichtmuseum

BigCityLife heißt das Projekt,in dem 20 internationale Street-Art-Künstler 20 Hauswände einer Sozialbausiedlung im Stadtviertel Tor Marancia in übergroße Kunstwerke verwandelt haben. In Sachen Street-Art mag Rom im direkten Vergleich mit anderen europäischen Metropolen keine Vorreiterrolle spielen, was in der letzten Zeit jedoch auf römischen Fassaden auftaucht, ist durchaus sehenswert. Wer  einmal selbst die Wände in Tormarancia in Augenschein nehmen möchte, setzt sich am Hauptbahnhof Termini in die Buslinie 714 in Richtung Palazzo dello Sport und steigt ca. 30 Minuten später auf der breiten Via Cristoforo Columbo an der Haltestelle Rufino aus. Von dort geht es ein paar Meter zu Fuß weiter zur Via Valeria Rufina/ Ecke Viale Tor Marancia. Die bunten Wände sind kaum zu übersehen. 

Im Rosengarten Mit Blick auf Den Palatin

Von April bis Juni ist er geöffnet - der Roseto comunale, der römische Rosengarten. Nach der sensationell guten!! Bundesgartenschau in meiner Heimatstadt Koblenz sind es in  Wirklichkeit nicht die Rosen, die mich alljährlich hier am Fuße des Aventin faszinieren. Es sind vielmehr der fantastische Blick auf den Palatin samt Kaiserpaläste und der betörende Duft, die ich beide gerne von einer der Bänke im hinteren Teil des Gartens genieße. Der Rosengarten ist übrigens der ideale Ort, um eine kurze Verschnaufpause von dem turbulenten Touristenmagneten Kolosseum einzulegen. 

Im Tram-Depot

Im Stadtviertel Testaccio am Fuße des Aventin liegt eine reizende gastronomische und grüne Insel, in der ich gerne verweile, um das Hin und Her auf der Via Marmorata zu beobachten oder um zu schreiben. Denn obwohl nur wenige Meter von mir der römische Verkehr mit all seinen Begleitgeräuschen vorbeizieht, höre ich nur auf das Vogelgezwitscher, das aus den Rosenhecken neben mir ertönt. Der Name Tram-Depot bezieht sich auf den Kiosk der mit Teilen eines historischen, ausrangierten Tram-Waggons verziert wurde und in dem nicht nur aber auch ein hervorragender!! Cappuccino zubereitet wird. Während die mit Liebe zum Detail dekorierten englischen Gartenmöbel tagsüber zum Blättern in Büchern aus der Café eigenen Miniatur-Bibliothek einladen, wird der Platz rund um den alten Waggon am Abend zur kleinen Party-Meile. 

Tram-Depot, Via Marmorata 13, Tram 8, Bus 23,75 bis Marmorata-Galvani, Metro B bis Piramide

Im Wunderbaren Reich des Pietro Canonica

Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich schon bei einem Sonntagsspaziergang durch die Villa Borghese am Museum Pietro Canonica vorbei gelaufen bin und mich gefragt habe, ob es sich lohnt einen Blick in das leicht skurril anmutende Gebäude zu werfen. Die sandfarbenen mit Zinnen besetzten Mauern und die Maultier-Skulptur vor dem Eingangstor, erinnern mich immer an ein mexikanisches Fort aus einem drittklassigen amerikanischen Western der frühen 70er Jahre. Eine Assoziation, die nicht gerade eine positive Erwartungshaltung in mir weckt und mich viel zu lange davon abgehalten hat die sogenannte "Fortezzuola"zu betreten. Vorab an dieser Stelle darf ich schon einmal allen Rombesuchern raten: Machen Sie nicht den gleichen Fehler wie ich und laufen am Museum von Pietro Canonica vorbei! Es ist ein charmantes, interessantes und liebevoll gepflegtes Kleinod in der römischen Museumslandschaft, für dessen Betreten zudem keinerlei Eintrittsgeld verlangt wird! Im Inneren erwarten den Besucher nicht nur zahlreiche Skulpturen des Bildhauers, sondern auch sein Atelier und die Wohnräume im ersten StockMuseo di Pietro Canonica in der Villa Borghese, Viale Pietro Canonica 2, Dienstag bis Sonntag, 10 - 16 im Winter, 13 bis 19 Uhr im Sommer

Auf der Dachterrasse Des Design Hotel isa

In Rom verlocken viele Dachterrassen zu ihrer Besteigung, um über den Dächern der Stadt einen Sundowner zu nehmen. 

Meine liebste Location für einen stimmungsvollen Ausklang eines langen römischen Tages ist die Dachterrasse des Design Hotel Isa. Es ist ein gut gehütetes Geheimnis, dass auch Nicht-Gäste ab 17.30 Uhr dem Hotel aufs Dach steigen dürfen, um von dort der Sonne beim Untergehen zuzuschauen. Besonderes Highlight ist der Blick auf die Kuppel des Petersdoms!

Auch nicht zu verachten ist der nette und unaufgeregte Service sowie die intime Atmosphäre jenseits jeglichen Touristentrubels. 

Design Hotel Isa, Via Cicerone 39, Nähe Piazza Cavour, Metro A bis Lepanto, Bus 30,70,81,87,280 bis Piazza Cavour 

Im siebten Hipster-Himmel: Mercato Monti

Samstags und Sonntags ist Hipster-Time im pittoresken Stadtviertel Monti ganz in der Nähe des Kolosseum. Angezogen

werden die Herren mit den gepflegten Bärten und die Damen mit den orangeroten Lippen vom Mercato Monti und seinen

Vintage-und Design-Schätzen: Designer-Sonnenbrillen aus den 80ern, handgefertigte Lampen, kreativer Schmuck, Selbstgenähtes

und noch viel Individuelles mehr...  Die Anzahl der Anbieter ist überschaubar, die Ware dafür tatsächlich sehenswert.

Ich mag besonders den Herrn, der Motive aus alten Münzen aussägt und Schmuckstücke daraus zaubert. So werden

aus Pfennigen Ohrringe oder aus Lire-Münzen Manschettenknöpfe. 

Mercato Monti, Via Leonina 46, 10 - 20 Uhr, Metro B bis Cavour oder viele Busse bis  Stazione Termini 

 

Im Gatsby Café - Cappuccino mit Hut

Im November 2016 ist das Gatsby Café in die drei Etagen eines historischen Hutladens eingezogen und hat bei den Umbauarbeiten sowohl den 60er Jahre Charme als auch einige Hüte behalten. Während sich im Erdgeschoss die klassische Kaffee-Bar befindet, gibt es im zweiten Stock eine gläserne Küche, in die man wunderbare Einblicke gewinnt, während man auf den Stühlen rund um den Nierentischen Platz genommen hat. Der Cappuccino ist ebenso lecker wie die Cornetti (Frühstückshörnchen), die - wenn man Glück hat - noch warm aus dem Ofen kommen. Ein Besuch des Gatsby lohnt sich auch für einen kleinen Aperitivo am frühen Abend und auch, um sich einfach mal in dieser Gegend umzuschauen. Die einst prächtigen Kolonnaden rund um die Piazza Vittorio strahlen zwar nicht mehr in ihrem alten Glanz, versprühen aber einen gewissen urbanen Schmuddel-Charme, dem sich zumindest römische Hipster immer weniger entziehen können.  

Wer auf Jazz steht, sollte vor seinem Rom-Tripp auf die Facebook-Seite des Gatsby´s schauen. Es finden regelmäßig Jazz-Sessions statt. 

Piazza Vittorio Emanuele 106, 10 Minuten zu Fuß von Stazione Termini entfernt 

Vor dem Eulenhäuschen

Im Set zur Zauberer-Film Reihe Harry Potter hätte sich das Eulenhäusschen -  La Casina delle Civette -  gut gemacht. Zu finden ist das reizende, verwinkelte Bauwerk in einem Park im Nordosten der Stadt, in der Villa Torlonia. Ursprünglich als urige Schweizer Hütte angelegt, erhielt es Anfang des 20. Jhd. ein mittelalterliches Face-Lifting, um dann ab 1916 mit Jugendstil-Elementen versehen zu werden. Seinen Namen verdankt das Häuschen dem Eulenmotiv im Fenster über der Eingangstür. Überhaupt sind die bunten aufwenigen Schmuckfenster ein Hingucker, die auch vom Inneren zu bewundern sind. La Casina delle Civette beherbergt ein Museum, das der Fensterkunst gewidmet ist.  Einst befand sich die Parkanlage der Villa Torlonia in den noblen Händen der Familien Pamphilj und Colonna, die es als eine Art Landgut unterhielten.  Bis der Park im Auftrag der neuen Besitzer, der Familie Torlonia 1806 in seine heutige Form umgebaut wurde. Ein romantischer grüner Ort mit Theater, Skulpturen, Sphinxe, Teichen und dem weissen Casino Nobile (von 1925 bis 1943 Residenz Mussolini´s). Bei schönem Wetter lässt es sich in der ehemaligen Orangerie, dem heutigen Parkcafé, wunderbar pausieren. Mit der Tram 2, 3, 19 gelangt man bis zur Haltestelle Viale Regina Margherita - Nomentana, von wo aus es keine 5 Minuten Fußweg bis zur Parkanlage sind. Mit der Buslinie 60 geht es ab dem Hauptbahnhof Termini ebenfalls bis zu der o.g. Haltestelle. 

Auf Der Ponte Umberto I

Der kürzeste Weg von der Piazza Navona zu meiner Bushaltestelle an der Piazza Cavour (direkt hinter der Engelsburg) führt über die Ponte Umberto I. So manch einen Bus habe ich den letzten Jahren verpasst, weil der Anblick des Petersdoms von hier aus einfach zu schön und fotogen ist. Bei Tag und bei Nacht...

Bei den 4 Damen von PianoStrada

Die Geschichte des Pianostrada ist eine gastronomische, römische Erfolgsstory. 2 Freundinnen eröffnen zusammen mit ihren beiden Töchtern ein kleines Street-Food-Lokal in einer Seitenstraße in Trastevere. Rasant spricht sich herum wie köstlich die kreativ  belegten Brötchen, Focacce und Pastagerichte sind. Kein Wunder eigentlich, denn vom Brötchen über die Pasta bis hin zu den Mayonnaisen wird im Pianostrada alles selbst hergestellt und selbst probiert bevor es auf den Tisch kommt. Mittlerweile sind die 4 Damen in größere Räumlichkeiten auf die andere Tiberseite in die Nähe des Campo de´Fiori gezogen. Aber der Platz reicht immer noch nicht! Trotz bezaubernden Sitzplätzen in einem Innenhof! Wer am Wochenende im Pianostrada essen gehen möchte, sollte mindestens eine Woche im voraus buchen. Es lohnt sich. Denn mir wird hier nicht nur warm ums Herz, weil das Essen so gut ist und jenseits des römischen Standards liegt. Auch die lässige Einrichtung irgendwo zwischen französischem Sommer-Landhaus und Shabby-Chic-Hipster-Blumenhandlung gefällt mir. Und natürlich der herzliche Service.  Wenn es auch beengt sein mag, ich sitze sehr gerne an der Theke. Von hier aus hat man direkten Einblick in den offenen Kochbereich und kann sich davon überzeugen, dass die Besitzerinnen nicht nur mit viel Liebe sondern auch mit Köpfchen kochen. Die einzelnen Arbeitsschritte sind exakt auf einander abgestimmt und jeder Handgriff sitzt.  Unbedingt probieren sollte man natürlich die Focacce mit den diversen Toppings! Die sind ganz hervorragend. Wie ehrlich gesagt alles was ich bisher im Pianostrada gekostet habe. In diesem Sinne wünsche ich Buon Appetito!  

Pianostrada, Via delle Zoccolette 22, auf dem Weg von Campo de´Fiori nach Trastevere 

Im Palazzo Altemps

Der Palazzo Altemps gehört zu den römischen Museen, bei denen die Ausstellungsräume den ausgestellten Kunstwerken fast die Schau stellen. Ich liebe es, an einem späten Sonntagnachmittag durch die wundervoll renovierten Räume zu schlendern und die Freskenarbeiten an den Wänden und die Holzdecken zu bewundern. Der Innenhof des Palazzo ist ein Traum ebenso wie die hauseigene Kapelle und das kleine Theater im Untergeschoss. Die bedeutenden antiken Kunstwerke sind in der Anzahl wohl dosiert und mit Lichteffekten hervorragend inszeniert. Der Palazzo Altemps gehört zu insgesamt vier Ausstellungsorten des Römischen Nationalmuseums. (Palazzo Altemps, Palazzo Massimo, Crypta Balbi, Terme di Diocleziano) und liegt in direkter Nähe zur Piazza Navona an der Piazza di Sant`Apollinare  46. 

Im morgendlichen Trastevere

Eine meiner römischen Lieblingsbeschäftigungen ist ein Morgenspaziergang durch das Stadtviertel Trastevere. Wo sich am Abend Touristen und Römer in den engen Gassen vor den unzähligen Bars und Restaurants drängen herrscht am Morgen eine verschlafene Leere. Ein paar Restaurantbesitzer bauen bereits ihre Außenbestuhlung auf, Mütter bringen ihre müden Kinder zur Schule und kleine Reinigungsfahrzeuge ruckeln über das Kopfsteinpflaster, um die Spuren der letzten Partynacht zu beseitigen. Wer sich den dörflichen Charme mitten in Rom nicht entgehen lassen möchte, startet seinen Spaziergang an der Piazza Trilussa und geht durch die Gässchen weiter zur Piazza Santa Maria in Trastevere .Von dort aus geht es über die lange Via della Lungaretta bis zur Tiberinsel. Auf dem Weg finden sich einige Cafés die zu einer Pause einladen. Ich persönlich unternehme immer und gerne einen Abstecher in die traditionsreiche Bar San Calisto an der gleichnamigen Piazza. 

Vor dem nackenschonenden Spiegel 

 

Manch Rombesucher kennt das Zipperlein, das einem spätestens nach dem Besuch der 20. Kirche plagt , immer die Augen nach oben zu den herrlichen Deckenverzierungen gerichtet : schmerzhafte Nackenstarre! Ein vorausschauender und mitfühlender Geist ist da in der "Chiesa del Gesù" auf die Idee gekommen, einen großen Spiegel aufzustellen, so dass man das theatralische Deckenfresko in aller Ruhe bewundern kann. Die Kirche wurde Ende des 16. Jhd. fertiggestellt und ist die Mutterkirche des Jesuitenordens. Neben der wirklich hochspektakulären Deckengestaltung macht die üppig barocke sehr goldene Innenausstattung diese Kirche zu einem römischen Highlight. 

Chiesa del Gesù, Via degli Astalli 16, Nähe Piazza Venezia  

Im "Milchschnee"

Die Nähe zum MAXXI, dem Museum der Künste des 21. Jahrhundert, spiegelt sich im reduzierten Einrichtungsstil des "Neve di Latte" wieder. Pur und ohne viel Schnick-Schnack - so sind auch die Geschmackskombinationen im "Milchschnee", der kleinen Eis-Manufaktur, die nur mit wenigen, sehr natürlichen, biologischen, hochwertigen Zutaten (Deutsche Bio-Milch!) arbeitet. Selber getestet habe ich folgende Sorten: Neve di Latte (Milcheis), Neve di Latte e Cannella (Milcheis und Zimt), Fragola (Erdbeere), Fondete 70% (Schokolade), Nocciola (Nuss). Lecker waren alle "gusti" und vor allen Dingen waren sie nicht übermäßig süß und nicht fettig. Sehr nett und praktisch ist der angeschlossene Raum, in dem man sein Eis im sitzen und mit Klimaanlage!!! genießen kann.  Das "Neve di Latte" liegt im Stadtteil Flaminio. Wer auch einmal, das meiner Meinung :) nach beste römische Eis der Welt kosten möchte, setzt sich an der Piazzale Flaminio (direkt hinter Piazza del Popolo) in die Tram 2 und steigt entweder an der Haltestelle Apollodoro oder Piazza Mancini aus. Das Neve di Latte liegt jeweils nur ein paar Fußminuten entfernt in der Via Luigi Poletti 6. Geöffnet ist es von 12 bis 23 Uhr. Wenn man schon einmal in dieser Ecke Roms ist,  kann man direkt einmal im MAXXI  vorbeischauen. Oder über die Ponte Milvio spazieren und den Tiber überqueren, wo gerade am Abend ein quirliges Viertel wartet.  Viel Spaß dabei!

In der Via Pietro Pomponazzi

Die Via Pietro Pomponazzi ist eine kleine Strasse mit großartigem Ausblick auf die Kuppel des Petersdom. Nur einige Schritte von den Vatikanischen Museen entfernt. Auf einer der kühlen Bänke aus Stein kann man gerade im Sommer wunderbar eine Pause abseits der Touristenströme einlegen und echte Römer beobachten. Hier in der Gegend ist immer viel los. Die Via Pietro Pomponazzi liegt an der Via Andrea Doria in direkter Nähe zum Mercato Trionfale. In der Markthalle mit unzähligen Markständen kann man sich auf dem Rück- oder Hinweg nicht nur an den bunten Ständen der Händler sattsehen. Ich empfehle die Pizza beim Bäcker im rechten (vom Haupteingang gesehen) äußersten Gang. Oder ein Porcchetta-Brötchen (Porcchetta = würziger Schweinebraten), das ein freundlicher älterer Herr  direkt in der Nähe des Haupteingangs verkauft. (Öffnungszeiten Mercato Trionfale bis 14.00 Uhr) Ganz in der Nähe liegt eine meiner Lieblings-Eisdiele: Millenium,  PIAZZA S. MARIA DELLE GRAZIE 2/A. Abends im Sommer trifft sich Gott und die Welt auf der Piazza vor dem Laden.  Mit der Buslinie 913 und 492 kommt man zurück in die Altstadt.

Im Bus auf der Piazza Venezia

Rein verkehrstechnisch gesehen ist die Piazza Venezia ein absoluter Albtraum. Ruckeliges Kopfsteinpflaster auf dem die unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmer unterwegs sind, die es allesamt eilig haben und sich in einem Kreisverkehr ohne ersichtliche Spurenführung begegnen. 

Wenn ich allerdings mit dem Bus aus Richtung Petersdom komme, dann gibt es da diesen einzigartigen Moment, wenn der Bus in den Kreisel einfährt und die Piazza Venezia sich von ihrer schönsten Seite präsentiert. Das schneeweiße Vittoriano hebt sich im imposanten Querschnitt von dem knallblauen Himmel ab. Die Trikolore weht im Wind, die Quadriga strahlt in der Sonne, die Trajanssäule glänzt im Hintergrund und die Pinien davor sind herrlich grün. Kaum hat man begriffen wie wunderschön dieser Anblick ist, da ist er auch schon wieder vorbei (es sei denn man steht im Stau). Und während der Bus weiter über das Kopfsteinpflaster ruckelt folgt der Blick auf die eindrucksvolle Treppe hoch zum Kapitolsplatz und etwas später das Kolosseum am Horizont. Also immer Augen auf beim Busfahren im Rom. Es lohnt sich!

Auf dem Bänkchen hinter Pius

Genauer gesagt befindet sich einer meiner römischen Lieblingsplätze in der Papstbasilika Santa Maria Maggiore auf einem Bänkchen hinter dem breiten Rücken von Pius IX. in der Confessio unterhalb des Hauptaltares. In dem kleinen Raum ist es schummrig dunkel. Nur die Reliquie, Überreste der Krippe aus Bethlehem, ist hell erleuchtet. Es ist der perfekte Ort, um nocheinmal durchzuatmen, bevor man sich in das Getümmel der Ewigen Stadt stürzt. Für das ultimative Bänkchenerlebnis muss  man allerdings früh dran sein. Die Pilgerbusladungen kommen so gegen 9.00 Uhr. Vorher hat man vielleicht das Glück und ist ganz alleine da unten mit Pius und dem Licht der Reliquie. Vielleicht findet oben in einer der Kapellen ein Gottesdienst statt. Dann lauscht man dem leisen Gemurmel und schaut Pius über die Schulter. Hoch in den Baldachin des Altars und zu den Mosaiken an den Wänden. Probieren Sie es selbst aus. Gönnen Sie sich einen kleinen leisen römischen Moment, den man so schnell nicht vergisst.

Basilica Santa Maria Maggiore, Piazza di Santa Maria Maggiore, Nähe Stazione Termini 

In Bramantes Tempelchen

Ein wenig ab vom Schuss, versteckt im Klosterhof von St. Pietro in Monotorio befindet sich der Tempietto di Bramante, Bramantes Tempelchen. Klein aber fein. Ein Paradebeispiel der Renaissance-Architektur.

Die Kapelle entstand um 1500 im Auftrag des spanischen Königspaares und trägt die Handschrift des Donato Bramante, der nur wenig später mit den Plänen für den Neubaus des Petersdoms beauftragt werden sollte. Der kreisrunde Bau scheint in dem winzig kleinen Innenhof völlig deplaziert und wirkt gleichzeitig in sich völlig perfekt.

Immer wenn ich auch dem Hügel des Gianicolo unterwegs bin statte ich dem Tempelchen einen Besuch ab. Meistens treffe ich nur vereinzelte Touristen. Oft werfen sie mir ein verstohlenes und verschwörerisches Lächeln zu. So als hätten wir gerade eben einen geheimen Ort entdeckt. Ich empfehle das Tempelchen mit einem Spaziergang vom Gianicolo (Bus 115 bis Piazzale Garribaldi) nach Trastevere zu verbinden.

Wo Frösche, Spinnen und Feen wohnen

Wenn die geschundenen Füsse ein wenig Pause brauchen oder das Wetter nicht mitspielt, bietet sich eine Spazierfahrt ins Viertel Coppedè an, dorthin wo Frösche, Spinnen und Feen residieren. Gino Coppedè heißt der kreative Geist, der hinter dem märchenhaften Wohnkomplex rund um die Piazza Mincio steckt. Den Stil der Palazzi und Villen bezeichne ich als architektonischer Laie mit den Worten: bizarr, üppig, detailverliebt und äußerst sehenswert. Bei anderen, die mehr Ahnung haben, als ich, heisst das: Liberty, der italienische Jugendstil. Von Coppedè auf die Spitze getrieben und kombiniert mit Rokoko-Elementen, so dass am Ende sein ganz eigener Stil dabei heraus kam: der Coppedè-Stil. Das Wohnviertel entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und erstreckt sich nur über einige Straßenzüge. Die Palazzi tragen Namen wie "Feenvilla" oder "Spinnenpalast". Beide finden Sie direkt an der Piazza Mincio, auf der ein "Froschbrunnen" sprudelt. Wer gemütlich in die Phantasiewelt des Herrn Coppedè fahren möchte, steigt an der Piazza di Risorgimento in die Tram 19 Richtung Gerani ein. Über den Tiber ruckelt man vorbei an der Villa Giulia, die das Museo Nazionale Etrusco beherbergt. Vorbei an der Villa Borghese und dem Bioparco (Zoo) nähert man sich der Viale Liegi. Wenn man an der Fermata "Buenos Aires" aussteigt, gilt es nur noch die Viale Liegi zu überqueren und in die Via Tanaro zu gehen. Jetzt nur noch geradeaus und Sie stehen vor dem Froschbrunnen an der Piazza Mincio.

Zu den Füßen Michaels

Man mag ihn schon ein wenig beneiden den Erzengel Michael, hoch oben auf seiner Burg. Genauer gesagt der Engelsburg. Zu jeder Tages- und Nachtzeit darf er den unglaublichen Ausblick auf die Ewige Stadt geniessen. Ein wenig steif im Nacken - wird er die Augen verdrehen müssen, um den Petersdom sehen zu können. In direkter Nachbarschaft dieses architektonischen Wunderwerks wirkt das dickbäuchige, schmucklose Castel Sant Angelo  wie ein ungehobelter Klotz. Es sind die inneren Werte, eine aufregende Vergangenheit und der unvergessliche Ausblick, mit denen die Burg punktet. Ausführliche Details zur Geschichte des Bauwerkes finden sich in jedem Reiseführer. Daher möchte ich mich an dieser Stelle auf das aktuelle Erleben beschränken. In der Engelsburg befindet sich ein Café mit Außenbereich, in dem man an romantischen kleinen Tischen auf wackeligen Stühlchen mit einem Aperitivo den Sonnenuntergang mit Weitblick auf Rom geniessen kann. Sowohl der Weitblick als auch die Monopolstellung finden sich im Preis wieder.  Im Kreis wendelt man sich im Castel Sant Angelo Stock um Stock höher. Die Gänge sind teilweise recht eng. Achtung in den Papstgemächern und der Bibliothek: hier ist Fotografieren verboten. Zuwiderhandlung wird mit höchst unfreundlicher Anfuhr bestraft. Am Ende des Aufstiegs steht man zur Belohnung zu den Füssen des Erzengels Michael und hat zu jeder Tageszeit einen unvergesslichen Blick über die Stadt.

Am Grab des Reisestallmeisters

Wolf Carl Friedrich Freiherr von Reitzenstein, Reisestallmeister und Kammerherr eines Markgrafen starb 1775 im Alter von 25 Jahren während eines Aufenthalts in Rom. Er war der einzige Sohn eines verlebenden Vater, zärtlicher Gemahl einer erstgewählten Gattin und fand seine letzte Ruhestätte an einem bittersüßen Ort. Auf dem Campo Cestio, dem Friedhof für nichtkatholische Ausländer. Sein schlichter Grabstein steht auf einer Wiese direkt zu Füssen der Cestio Pyramide. Dort steht über den jungen Reisestallmeister zu  lesen:

 

Ein schönes Herz in schöner Hülle,

bieder edel und treu

ein warmer Menschenfreund

nur nicht des falschen Leser

dich täuscht hier kein Schmeichler

sein Fürst gebot ihm dies Denkmal.

 

 Viele Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Dichter und Diplomaten, die vor allem im 19. Jhd. nach Rom gekommen waren, haben hier im Schatten der Pyramide ihre letzte Ruhestätte gefunden. Eine illustre Gesellschaft mit internationalem Flair. In 15 Sprachen sind die teilweise anrührenden Grabinschriften verfasst.

Der Campo Cestio scheint ein Ort ohne Zeit und Raum. Man trifft auf Lebensgeschichten, die in der ganzen Welt begonnen und in verschiedenen Jahrhunderten geendet haben. So finden sich hier zum Beispiel die Gräber der englischen Dichter Keats und Shelley. Einer von Goethes Söhnen, August, liegt hier begraben. "Goethes Sohn, verstarb dem Vater vorangehend mit 40 Jahren, 1830" ließ Goethe auf dem Grabstein verewigen. Unter hohen Zypressen auf schmalen Wegen lässt es sich friedlich auf den engen Wegen schlendern. Vorbei an teils aufwendig gestalteten Grabstätten, deren Inschriften trotz ihrer Kürze tiefe Einblicke in vergangene Leben gewähren. Und sollte es einem ob all dieser Geschichten doch etwas schwer ums Herz werden, dann taucht bestimmt eine der hier freilebenden Katzen auf und verscheucht die trüben Gedanken. Campo Cestio, Via Caio Cestio 6, Metro B bis Piramide

 

Der Fuß, das Schild und Giulia

Was mögen ein Fuss, ein Schild und Giulia gemeinsam haben? Ganz einfach: sie liegen räumlich ganz nah beieinander und vor allem sind alle drei irgendwie einen kleines bißchen anders. Fangen wir von vorne an: Der Fuss (oder besser dessen Überreste) soll einmal Maria Magdalena gehört haben und es ist genau der Fuss, mit dem sie das Grab Jesu zuerst betreten hat als sie es leer auffand. Auf Umwegen hat diese Reliquie ihren Weg nach Rom und in die Basilica S. Giovanni dei Fiorentini gefunden. Die Kirche findet sich in der Nähe der Ponte Vittorio Emanuelle II an der Piazza dell`Oro. In der sonst für römische Verhältnisse recht schlichten Kirche sticht der goldig strahlende Schrein, in dem die Reliquie aufbewahrt wird, direkt ins Auge.

Von der Kirche geht die noble und geschichtsträchtige Via Giulia ab, in der sich nicht nur Antiquitätenhändler finden lassen, sondern auch das leicht veränderte "Einfahrt verboten"-Schild, dessen Balken geklaut wird, etwa auf halbem Weg zwischen Maria Magdalenas Fuss und der Bar "Giulia".

Den hervorrangenden Capuccino kann man dort auch draußen an zwei klapprigen nicht minder einladenden Tischchen zu sich nehmen. Manchmal werden die Stühle jedoch von Wartenden an der gegenüber liegenden Bushaltestelle ausgeliehen.

Folgt man der Via Giulia geht es parallel zum Tiber in Richtung Campo dei Fiori. Am Ende der Via Giulia findet sich der geklaute Balken übrigens in den Armen eines überglücklichen Carabinieri wieder.

Auf dem Multi-Kulti Markt 

Der Nuovo Mercato Esquilino liegt in der Nähe von Stazione Termini, Via Principe Amedeo 184. In der großen Halle für Lebensmittel herrscht hier mitten in Rom eine unerwartet orientalisch anmutende Stimmung. Gewürze und Hülsenfrüchte werden feilgeboten. Männer mit unendlich langen Bärten verkaufen frischen Fisch. Das Gemüse aus allen Herren Länder ist genauso bunt wie die Besucher des Marktes. Diesen Mulitkulti-Markt sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Gegend rund um den Markt und die nahegelegene Piazza Vittorio Emanuele II wird auch China-Town gennant. Wer einen Blick in die kleinen Geschäfte in den Kolonnadengängen rund um die Piazza und in den abgehenden Straßen wie der Via Turati wirft, weiss schnell woher dieser Name stand. Die Ecke nahe der Stazione Termini ist fest in chinesischer Hand.  Metro A bis Piazza Vittorio Emanuele. 

Auf dem Gianicolo

Der Gianicolo gehört zwar nicht zu den berühmten sieben römischen Hügeln, eine Fahrt mit dem Bus (115, 870 ab Haltestelle Lungotevere in Sassia- Santo Spirito) oder ein Spaziergang auf die Erhebung oberhalb des Stadtteil Trastevere ist jedoch zu jeder Tageszeit empfehlenswert. Von der Aussichtsplattform an der Piazzale Garibaldi, wo sich ein Reiterdenkmal des gleichnamigen italienischen Freiheitskämpfers erhebt, liegt einem die Ewige Stadt zu Füßen. Besonders reizvoll ist der Ausblick am Abend, wenn man noch die funkelnden Lichter bis in die Albaner Berger sehen kann. Romantisch ist auch die Aussicht von dem hinteren Teil der Piazzale Garibaldi. Hier blickt man direkt auf die erleuchtete Kuppel des Petersdoms. Von hier oben fährt die Buslinie 115 direkt weiter ins nächtliche Ausgehviertel Trastevere. Tagsüber kommt das eher beschaulich und verschlafen daher. Über einige Treppenstufen dauert der Abstieg dorthin nur wenige Minuten. 

Im siebten Koffein-Himmel

An der Frage wo es den allerbesten Kaffee in ganz Rom zu trinken gibt, darüber scheiden sich die Geister. Fragt man allerdings nur mich, dann bekommt man eine klare und eindeutige Antwort: in einer Kaffeerösterei direkt am Pantheon, im Tazza d`Oro. Was zugegebener Maßen kein Geheimtipp mehr in Sachen Kaffeekunst ist. Wer zu spät kommt, muss sich mit vielen Touristen an den langen Bartresen drängeln und ihnen dabei zuschauen, wie sie sich gegenseitig beim Nippen an Tassen filmen und fotografieren. Wenn ich jedoch morgens (vor 10 Uhr!!) das Café betrete, um den weltbesten Cappuccino (kräftiger Kaffeegeschmack, himmlisch cremiger Milchschaum, der wohltemperiert ist) in Rom zu trinken, tue ich dies meist in Gesellschaft von Römern. Das Koffeinvergnügen kostet gerade einmal 1,10 EUR. Das erste was ich nach einem Urlaub und einer längeren Abstinenz von gutem Kaffee mache, ist dem Tazza d`Oro einen Besuch abzustatten!!!

Via degli Orfani 84 in direkter Nähe zum Pantheon