Cilento - Herzlich Willkommen im Puren italien

Castellabate im Cilento - Bei guter Sicht schaut man hinüber bis zur Amalfi Küste.
Castellabate im Cilento - Bei guter Sicht schaut man hinüber bis zur Amalfi Küste.

Vor einigen Jahren habe ich den Film "Willkommen im Süden" gesehen. Ein Norditaliener wird in die Poststelle eines winzigen süditalienischen Dorfes versetzt und rechnet mit dem Schlimmsten: der Mafia, faulen Mitarbeitern, hinterwäldlerischen und nur schwer zu verstehenden Dorfbewohnern. Natürlich kommt es ganz anders! Selbstverständlich verliebt der Nordtitaliener in das Dorf!  An alle Details der stereotypen Geschichte erinnere ich mich nicht, dafür aber um so besser an die Bilder von diesem verschlafenen Bergdorf mit einem wahnwitzigen Ausblick über das Meer. 

 

Nach ein paar Jahren ist mir dann ein Artikel in die Hände geraten, in dem es exakt genau, um dieses Dorf ging: Um Castellabate im Cilento, der südlichen Ecke der Region Kampanien. 180.000 Hektar des Cilento nimmt alleine  der Nationalpark "Parco Nazionale del Cilento e Vallo di Diano" mit seinen hohen Bergen, klaren Bergbächen, Schluchten, grünen Tälern, Höhlen und beeindruckenden Klosteranlagen ein. Das Meer lockt mit bester Wasserqualität, WWF-Schutzgebieten, langen Sandstränden, Grotten, wilden Buchten und romantischen Hafenstädtchen. Freunde antiker Geschichte kommen hier auch nicht zu kurz: in den Ruinen der Akropolis der griechischen Kolonie Elea, dem späteren römischen Velia oder zwischen den beeindruckenden Tempelanlagen von Paestum.

 

Kulinarisch hat der Cilento ebenfalls einiges zu bieten, immerhin ist hier die Geburtsregion der Mediterranen Diät!! Ob der Mozzarella aus dem Milch der Büffel rund um Paestum ein fester Bestandteil dieser Diät ist, daran zweifele ich arg. Ich darf allerdings versichern, dass er unwiderstehlich gut schmeckt. Bekannt ist die Region auch für  Olivenöl und ambitionierten Weinbauern!

 

Für einen abwechslungsreichen Urlaub im Cilento ist also gesorgt!  Um so verblüffender, dass diese italienische Schönheit noch nicht vom Massentourismus entdeckt wurde. Auf meinen beiden Touren durchs Cilento war ich fast alleine unterwegs.

Der Cilento ist (noch?!) ein Geheimtipp für Individualtouristen, die Lust auf das pure Italien haben!

Sehenswürdiges, Restaurant-Tipps und Hotel-Ideen für Euren Cilento-Trip

Castellabate

Auf 280 Meter Höhe klammert sich das idyllische Castellabate an einem Berg über dem Meer. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus steilen Treppen und schmalen Durchgängen, die am Ende irgendwie immer zu zwei Orten führen. Einmal die aus dem Film "Benvenuti al Sud" berühmte Piazza, auf der sich ein Restaurant und eine Bar befinden. Hier ist immer etwas los. Wenn am Wochenende keine italienischen Tagesausflügler den Platz bevölkern, dann ist es die einheimische Dorfjugend.

Aussicht vom Schloss in Castellabate
Aussicht vom Schloss in Castellabate

Der andere Punkt an den man immer wieder gelangt, ist ein Kastell, das dem Ort seinen Namen verdankt:  Il castello dell ´Abate. Ein Besuch des Kastell des Abtes und der darunterliegenden Aussichtsterrasse ist ein absolutes Muss. An dem Weitblick auf das scheinbar endlos blaue Meer und die hügelige grüne Landschaft kann man sich nicht sattsehen! Bei guter Sicht habt Ihr hier sogar die Amalfiküste und Capri gut im Blick.

 

Unterhalb des Terrasse liegt direkt das Restaurant Catina Belvedere. Bei schönem Wetter sitzt Ihr hier in romantischen Nischen direkt am Hang, um die Aussicht bei einem Aperitivo zu  genießen. Bei schlechterem Wetter und zum Abend hin ist das Restaurant mit Panoramafenster zu empfehlen. Den sonst  eher rustikalen, ländlichen Charme den typische Lokalitäten im Cilento häufig versprühen, sucht man hier vergebens. Die Portionen sind klein und fein und der Service bemüht sich um eine stilvolle Atmosphäre.  Wobei die Preise sich im Anbetracht der sensationellen Lage absolut im Rahmen halten.

 

Wenn Ihr es einfacher und herzlicher mögt, macht einen Abstecher über die kurvenreiche Landstraße zum Tramonto d´oro.

Von Fleisch über Fisch bis hin zur Pizza (ab 4,50 EUR) aus dem Holzofen ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Im Küstenort Santa Maria di Castellabate wartet ein wunderschöne Altstadt auf Euch.
Im Küstenort Santa Maria di Castellabate wartet ein wunderschöne Altstadt auf Euch.

Über Serpentinen erreicht man innerhalb von nur wenigen Minuten die Küstenorte Santa Maria di Castellabate (langer Sandstrand, Flanieren, Essen gehen) und San Marco di Castellabate (Wellness, schicke Boote gucken). Von hier aus führt ein Wanderweg an die Spitze der zauberhaften Halbinsel des Monte Licosa

Paestum - Tempel und Büffelmozzarella

Knapp über eine halbe Stunde dauert die  Autofahrt von Castellabate Richtung Norden bis nach Paestum, dessen Besuch ich  Euch Herz ganz dringend ans Herz lege.  Paestum mit seinen Tempelanlagen ist einmagischer Ort.  Die verblüffend gut erhaltenen Säulen von drei großen Tempeln sieht man schon von Weitem. Mit ihrem hellen Stein heben sie sich von dem flachen Grün der Landschaft ab, in der sie seit dem 6. und 5. Jhd. v. Christus stehen. Und das tun sie mit solch einer Selbstverständlichkeit, dass sich mir jedes Mal die absurde Frage stellt, ob ich es bin, die aus der Zeit gefallen ist oder doch die Ruinen.

 

Griechische Kolonisten hatten an dieser Stelle fern der Heimat die Stadt Poseidonia gegründet. Nach der Eroberung durch die Römer im 3. Jh. v. Chr. wurde aus dem griechischen Poseidonia das römische Paestum.  Ein idyllisches, ruhiges Fleckchen Erde zwischen Bergen und langen Sandstränden. Zweimal hat es mich jetzt nach Paestum gezogen. Jedes Mal wieder hat es mich überrascht, wie leer die Wiesen zwischen den Kulturschätzen waren Bis auf einige englische Schulklasse und ein paar Individual-Touristen hatte ich die Ruinenstadt fast für mich alleine. Im Eintrittspreis enthalten ist übrigens der Besuch eines Museums, das Fundstücke aus der Stadt beherbergt und interessante Einblicke in die Stadtgeschichte bietet. 

 

Parco Archeologico di Paestum

Öffnungszeiten: täglich von 8.30 - 19.30 Uhr, jeden 1. und 3. Montag im Monat für bis 13.40 Uhr

Eintrittspreis 9,50 EUR

Kombiticket Paestum + Velia (siehe weiter unten), gültig für 3 Tage = unschlagbare 10,50 EUR

In Italien hält sich unter vielen meiner Bekannten das Gerücht, dass  aus Paestum der beste Büffelmozzarella kommt. Wenn Ihr Euch selbst einmal davon überzeugen möchtet, bieten sich Euch zahlreiche Bauernhöfe zur Wahl an.  Direkt an den Tempeln von Paestum liegt die  "Fattoria del Casaro" .  Hier kann man nicht nur Wasserbüffel streicheln und bei der Mozzarella-Produktion zuschauen, sondern auch allerlei Produkte aus Büffelmilch erwerben. Wer zur Mittagszeit in der Nähe ist, sollte sich ein schattiges Plätzchen im Gartenlokal suchen und die Spezialitäten des Hauses kosten. (Büffelricotta mit Organgenmarmelade ist übrigens köstlich) Zum Nachtisch gibt es diverse Ricottakuchen und sogar Cappuccino mit Büffelmilch.

Hier Gibt es noch mehr Büffelmozzarella In der Nähe :

Azienda Agricola Tempio di Gianluigi Barlotti in Capaccio

Hier wird alles angeboten, was aus Büffelmilch hergestellt werden kann. Das Eis ist der absolute Renner. Da die Touristen hier in Bussen herangefahren werden, fehlt es ein wenig an romantischem Bauernhof-Flair. Die Qualität ist aber hervorragend.

 

Tenuta Vannulo in Capaccio

Auf dem Bio-Bauernhof ist höchste Qualität gefragt. Die Produktionsmengen sind begrenzt. Man sollte also am Vormittag vorbei schauen, bevor nichts mehr da ist.

 

Ausflug-Tipp mit Fernsicht

Wer sich einmal die Ebene um Paestum von oben anschauen möchte, fährt hoch ins nahegelegene Cappaccio Paestum. Dorthin hatten sich die einstigen Bewohner Paestums nach und nach zurückgezogen. Aufgrund von Malaria und ständigen kriegerischen Überfällen war die antike Stadt ab dem 9. Jh. nach Chr. unbewohnt. 

Pioppi - Mittelmeer und Diät

Kaum zu glauben, dass aus diesem winzigen und stillen Örtchen die Mittelmeerdiät stammen soll! Aber tatsächlich gibt es sogar ein Museum, dass sich in der unteren Etage der Meeresbiologie widmet und ein Stockwerk höher der Mittelmeerdiät. Leider war der wunderbare Palazzo in dem sich das MuSea befindet aufgrund von Renovierungsarbeiten (bis Mitte April 2016) geschlossen. Statt Wissen gab es nun Cappuccino auf der Promenade. Bis auf uns war kein einziger Tourist weit und breit zu sehen. Unglaublich und herrlich mitten in den Osterferien. Pioppi liegt knapp 30 km südlich von Castellabate. Die Küstenstraße gen Süden ist bis hierhin gut ausgebaut und bietet nicht minder wenig spektakuläre Aussichten wie die Amalfiküste. Nur dass es im Cilento bei weitem ruhiger zugeht. 

Scavi di Velia - Akropolis und Weitsicht

Einst war das griechische Elea (später römische Velia)eine blühende Handelsstadt mit bedeutender Philosophenschule gewesen. Heute kann man durch die Ruinen der um 540 v. Chr. gegründeten Stadt bis hinauf zur Akropolis, dem alten Stadtkern spazieren gehen. Gutes Schuhwerk ist von großem Vorteil, denn das Gelände ist nicht für den Massentourismus erschlossen. Genau in dieser Abgeschiedenheit und dem unglaublichen Blick aufs Meer und das Küstenstädtchen Ascea Marina von dem Wachturm liegt der Reiz der archäologischen Anlage. Ein wahres Kleinod, dass man für 3 Euro Eintritt bewundern darf. Die Scavi di Velia liegen nur 8 km von Pioppi entfernt. Wer die Küste nun noch weiter fahren möchte, dem sei gesagt, dass ab Ascea die Straßenverhältnisse etwas ruppiger, die Landschaft wilder und die Dörfer uriger werden. 

Marina di Pisciotta - Serpentinen und Alici

Die Anfahrt nach Pisciotta gestaltete sich etwas schwieriger als erwartet. Ein Erdrutsch hatte wohl vor geraumer Zeit die steile Küstenstraße - sagen wir mal vorsichtig - in Mitleidenschaft gezogen. Mit einem Off-Roader alles kein Problem, mit einem sportlichen Fahrwerk eine Angstschweißtreibende Strecke. Pisciotta ist ein malerisches Bergdorf mit einer reizenden Altstadt, wobei unser Ziel der Ortsteil direkt am Meer sein sollte. Jede der scheinbar nicht endend wollenden 180 Grad Kurven war ein Besuch von Marina di Pisciotta wert. Um kurz vor zwei hatten wir die Promenade ganz alleine für uns. Nur ein einziges Lokal hatte noch geöffnet, wo wir uns einen kleinen Snack kaufen konnten. Während wir uns auf die Lokalveranda direkt ans Meer setzen durften, schloss der Besitzer den Laden ab. Von 14 - 17 Uhr geht hier im Süden wirklich gar nichts mehr! Die Städtchen sind wie ausgestorben. Und so genossen wir den intimen und exklusiven Moment scheinbar einen ganzen - wenn auch winzigen - Ort - ganz für uns allein für uns zu haben. Inklusive einem atemberaubenden Blick auf das kristallklare Meer. Auch unser anschließender Spaziergang durch den kleinen Hafen erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich war auf der Suche nach den langen Holzbooten mit denen die Fischer des Ortes Alici (Sardinen) auf so eine nachhaltige Art und Weise fangen, dass sie das Prädikat Slow Food erhalten haben. Diese sogenannten Alici di Menaica werden nur zwischen April und Juli, nach Sonnenuntergang und bei ruhigem Meer gefangen.

Von der Hafenmole hat man nicht nur einen guten Blick auf das höher gelegene Pisciotta sondern auch auf das südlich gelegenere Kap von Palinuro. Der kleine Ort ist quasi das Tor zur wilden, rauen Cilento-Küste. Hier hören die langen Sandstrände auf. Stattdessen gibt es steinige aber verträumte Buchten, Naturhäfen und Grotten. Dieser Küstenabschnitt steht für die nächste Tour in den Cilento auf dem Plan. Allerdings dann mit einem anderen Fahrzeug...