Garbatella - Die Urbane Gartenstadt

Wer Rom näher kennenlernen möchte, sollte dahin wo auch Römer leben. Also nichts wie raus aus der Enge der typischen Hotelstadtpläne, runter von den ausgetretenen Touristenpfaden und rein in den römischen Stadtviertel.  Wie zum Beispiel Garbatella: 

Das Stadtviertel Garbatella liegt im Süden Roms. Zwischen der Via Ostiense und der vielbefahrenen Via Cristoforo Colombo. Zwischen der Cestio Pyramide und der Basilika San Paolo Fuori le Mura. Ein Viertel, dessen unerwartet ländlich rustikaler Charme mitten in Rom eine wahre Überraschung ist! Rosenhecken blühen vor Häuschen mit leicht marodem Charme . Hasen hoppeln auf gehegten Rasenflächen. Die engen Sträßchen sind frei von Verkehrslärm, allerdings nicht von Hinterlassenschaften Vierbeiniger Römer. Es ist unfassbar ruhig, grün und idyllisch. 

Entstanden ist Garbatella in den 1920er Jahren. König Vittorio Emanuele selbst legte damals den Grundstein für das neue Wohngebiet. Weinberge und Schafweiden mussten für ein Städtebauprojekt weichen, dessen Vorbild die englischen Gartenstädte waren. Wobei der Focus hier weniger auf die Grünflächengestaltung liegt, als die Bezeichnung vermuten mag. Gartenstädte sollten zuallererst die miserablen Wohn- und Lebensverhältnisse der durch die rasant fortschreitende Industrialisierung gebeutelte Arbeiterklasse verbessern. Gartenstädte waren zugleich ideologische Bewegung und architektonischer Stil. Auch in Rom sollte solch eine moderne Wohnsiedlung mit Häusern nicht höher als drei Etagen samt erholsamer Grünflächen für Bauarbeiter und ihre Familien entstehen.  Die wiederum sollten in Ostia auf einem geplanten Großhafen arbeiten. Aus den großtrabenden Hafenplänen wurde nichts. Stattdessen wurden die Arbeiter im nahen und wachsendem Industriegebiet in Ostiense benötigt.

 

Garbatella wuchs mit und veränderte sich. Unter den Faschisten wechselte sichtlich der Architekturstil. Die Häuser wurden höher. Die Fassadengestaltung weniger filigran. Ende der 20er Jahre fand in Garbatella ein erwähnenswertes Wohnprojekt statt. Vier Wohnhäuser entstanden als sogenannte "Vorstadtherbergen". In ihnen wurden Umsiedler und Obdachlose untergebracht. Es gab indidviduelle Schlaf-und Wohnzimmer für die Familien. Alle weiteren Räume wurden im Kollektiv geteilt. Waschräume, Küche, Speisesaal. In den unteren Stockwerken der Häuser wurden Kindergärten, Schulen, Desinfektionsräume!, eine Polizeistation, eine Kirche und einiges mehr  eingerichtet. Ein Wohnungsbauprojekt, das sogar die Aufmerksamkeit von Mahatma Gandhi auf sich zog. Er besuchte den Kindergarten der "Vorstadtherbergen" im Dezember 1931.  

 

Noch heute ist Gabartella ein faszinierender Ort mit einem zugegebener Maßen maroden Charme. Die Straßen werden nicht ganz so regelmäßig gefegt wie im touristischem Zentrum.  Der Zahn der Zeit und leere Kassen zehren an der Bausubstanz des einstigen Vorzeige-Wohnprojektes. Vom Verfall ist diese Gegend jedoch  weit entfernt. Ihre engagierten und durchaus streitbaren Bewohner kämpfen nicht nur um den ursprünglichen Erhalt ihres Viertels sondern beleben es mit vielen kulturellen Angeboten und ausreichend Raum für Individualität, aber auch sozialem Miteinander. Ganz in der Tradition des einstmals gegründeten Arbeiterviertels ist die politische Ausrichtung des Viertels definitiv links einzuordnen.  Soviel zur Geschichte von Garbatella.  Jetzt geht es ab durch die Straßen...

Ein Spaziergang durch Garbatella

 Mit der Metro B gelangt man vom römischen Zentrum rasant schnell zur Haltestelle "Garbatella". Von dort geht es über die "Piazza Augusto Albini" durch den ländlichen Charme der "Via Giovanni Ansaldo" über die "Piazza Nicola Langobardi" zur "Via  Roberto de Nobili", in die Sie links einbiegen in Richtung "Piazza Michele da Carbonara".

In diesem Bereich treffen Sie auf die oben erwähnten 4 "Vorstadtherbergen". Das "Albergo Rosso" werden Sie sofort erkennen.

Von dort lohnt sich ein kurzer Abstecher zur "Piazza Eugenio Biffi", um den Komplex in voller Pracht zu bewundern.  Nun alles wieder zurück zur "Via Roberto de Nobili", die Sie bis zur "Piazza da Giovanni da Triora" durchgehen.

 

Hier empfehle ich eine kleine Pause in der Bar "Dei Cesaroni" einzulegen und unbedingt einen Blick ins Innere zu werfen. Die Besitzer der Bar sind echte Originale und unübersehbar Fans des Fußball-Clubs AS Rom. 

 

Weiter geht es leicht rechts auf der  "Via Cristoforo Borri" , um kurz darauf wieder rechts auf die "Via Daniele Comboni" einzubiegen. Die Schule auf der linken Seite ist sehr interessant. Vor der Markthalle nach rechts dann wieder links auf die "Via Francesco Passino", der Sie geradeaus folgen bis zur "Piazza Bortolommeo Romano". Dort befindet sich das Theater Palladium. Rechts um die Ecke befindet sich eine Haltestelle der Linie 715. Mit der gelangen Sie zurück ins Zentrum bis zum "Teatro di Marcello" in direkter Nähe zur Piazza Venezia.