Anita Garibaldi - Die Revoluzzerin und die Liebe

Anita ist 18 Jahre alt und verheiratet als sie 1839 in Brasilien auf die Liebe ihres Lebens trifft. Er ist Italiener, einige Jahr älter und auf der Flucht. In seinem Heimatland droht Giuseppe Garibaldi die Todesstrafe. Er ist ein Revolutionär, der die Ordnung Italiens nach dem Wiener Kongress nicht nur in Frage stellt. Giuseppe Garibaldi kämpft  für die Freiheit und Einigung Italiens zu einer demokratischen Republik.

Es ist Liebe auf den ersten Blick. Er soll ihr noch am Abend ihrer Begegnung gesagt haben: " Devi essere mia!" (Du musst die Meine sein!)

Das ist der Beginn einer Liebes- und Lebensgeschichte zweier Persönlichkeiten, die bis heute in Italien als Freiheitskämpfer verehrt werden. Es gibt fast keine italienische Stadt ohne eine Piazza Giuseppe Garibaldi. Auch nach Anita wurden Plätze und Straßen benannt.  Die große italienische Verehrung für die "Heldin zweier Welten" wirkt fast klein, gegenüber der Bewunderung in Südamerika. Anita wurde eine Telenovela gewidmet. In einem Museum in der Stadt Laguna in Brasilien werden Reliquien und Erinnerungsstücke der Heldin aufbewahrt.

 

In Rom, auf dem Hügel Gianicolo, ist sich das Paar auch heute noch sehr nah. Sein Reiterstandbild steht auf dem höchsten Punkt des Gianicolo mit Fernblick über die ewige Stadt. Ihr Denkmal liegt etwas versteckt nur wenige Meter entfernt.  Wie  Anita (nicht nur) der Liebe wegen zur Heldin auf zwei Kontinenten wurde, darüber erzählt dieser Artikel aus der Blog-Serie "Ciao Bella. Mit Frauenpower durch Rom".

Das Denkmal für Anita Garibaldi auf dem Gianicolo in Rom
Das Denkmal für Anita Garibaldi auf dem Gianicolo in Rom

Ana Maria de Jesu Ribeiro da Silva erblickt im August 1821 im Süden Brasiliens das Licht der Welt. Sie ist das Dritte von insgesamt 10 Kindern. Ihre Eltern sind mittellose Auswanderer von den Azoren. Nach dem Tod dreier Brüder stirbt auch der Vater. Um die Familie zu ernähren, muss die 14jährige Anita heiraten. Der Auserwählte ist ein Schuster und Fischer aus der Stadt Lugana. Vier Jahre nach der Hochzeit kommt es zu einer Begegnung, die ihr Leben radikal verändern wird. Giuseppe Garibaldi ist mit seinen Schiffen in Lugana gelandet.  Er musste aus Italien fliehen, weil er sich einem Aufstand in der norditalienischen Region Piemont angeschlossen hatte. Nach dem Wiener Kongress 1814/1815 war Italien in viele Fürstentümer aufgesplittert. Große Landesteile  waren zwischen den Franzosen, Österreichern und dem Papst aufgeteilt worden.  Giuseppe Garibaldi gehörte zu einer politischen Bewegung, die nur wenig später als Risorgimento bezeichnet werden wird.  Ziel dieser Bewegung ist es, Italien mit allen Mitteln von den fremden Machthabern zu befreien und zu einer Republik zu vereinigen. Die Kampfeslust für Unabhängigkeit und demokratische Ideen hatte Giuseppe auch nach Brasilien geführt. Die südliche Region wollte sich  als unabhängige Republik vom Rest Brasiliens abspalten und revoltierte gegen König Pedro I. und seine Truppen.

Anita & Giuseppe - Ein Paar in ständiger Kampfbereitschaft

Kurz nach ihrer ersten Begegnung wurden Giuseppe und Anita ein Liebespaar. Sie nannte ihn liebevoll José. Er schwärmte von ihrer Schönheit und Intelligenz.   Es ist  nicht nur eine magische Anziehungskraft, die die beiden verbindet, sie teilen auch politische Ideale.  Und so zieht die verheiratete  Anita  mit ihren José schon bald in den Kampf. Als sie nach einer Schlacht in Gefangenschaft gerät, ist Anita schwanger. Im siebten Monat gelingt ihr die Flucht hoch zu Ross.  Sie trifft ihren totgeglaubten Giuseppe wieder und bekommt 1840 ihren ersten Sohn, Domenico. Das Kind ist wenige Tage alt, da wird Anita erneut von Giuseppe getrennt und muss alleine mit dem Kind fliehen. Wem die Fantasie fehlt, sich diese dramatische Szene vorzustellen, kann sie heute in all ihrer Theatralik auf dem Gianicolo sehen. Das Denkmal für Anita Garibaldi zeigt sie auf der Flucht. Sie sitzt hoch zu Ross, in der einen Hand eine Pistole, mit anderen hält sie den kleinen Domenico an sich gepresst.

Anita Garibaldi als Heldin auf der Flucht.
Anita Garibaldi als Heldin auf der Flucht.

Nach diesen dramatischen Ereignissen wird es kurzfristig etwas ruhiger im Leben von Anita, allerdings nicht einfacher. Sie geht mit Domenico und Giuseppe nach Urugay. In Montevideo führen sie ein entbehrungsreiches Leben. Giuseppe ist ein stolzer Idealist. Er nimmt kein Geld von denen, für die er kämpft oder von anderen, die ihn einfach unterstützen möchten. Viele italienische Auswanderer leben zu dieser Zeit in Montevideo. Sie mussten ihr Heimatland aus politischen Gründen verlassen oder  sind aus den armen italienischen Regionen dem südamerikanischen Lockruf auf eine bessere Zukunft gefolgt.

 

Als der Ehemann von Anita stirbt, können die beiden Verliebten endlich heiraten. Am 26. März 1842 findet die Hochzeit in Montevideo statt.

Im gleichen Jahr wird Giuseppe Garibaldi zum Kommandaten der Flotte von Urugay ernannt.  Er stellt die "Italienische Legion" auf und kämpft mit seinen Soldaten für die Unabhängigkeit Uruguays. Anita begleitet ihn auf den Kriegszügen gegen den ehemaligen Präsidenten Urugays, der von argentinischen und brasilianichen Truppen unterstützt wird. Anita und Giuseppe sind in den "großen Krieg" verwickelt, in dem Montevideo 9 Jahre lang belagert wird. In dieser Zeit bekommen die beiden drei Kinder: Rosita, die mit 2 Jahren stirbt, Teresita und Riciotti.    

Eine Heldin auf zwei Kontinenten

Ab dem Jahr 1846 mehren sich die  guten Neuigkeiten aus Italien.  Mit dem neuen Papst IX. scheint nun ein liberaler Geist den Kirchenstaat anzuführen, die Ideen des Risorgimentos greifen in ganz Europa um sich  und das Todesurteil gegen Giuseppe wird aufgehoben. Als die Nachrichten über revolutionäre Aufstände sich überschlagen, sammeln italienische Exilanten Geld, damit die ganze Familie Garibaldi 1848 nach Europa übersetzen kann. Sie landen in Nizza, die Geburtsstadt von Giuseppe. Anita sieht nicht nur ihre Schwiegermutter zum allerersten Mal, sie betritt auch ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht. Ihr altes Leben wird komplett auf den Kopf gestellt. Sie ist nun die Frau von General Giuseppe Garibaldi, der seine Truppen im ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg gegen Österreich anführt.  Doch der große Erfolg der Risorgemento-Bewegung und ihrer Truppen bleibt aus. Es kommt nur zur Ausrufung einzelner Republiken. So wird Garibaldi 1849 Abgeordneter der Römischen Repbulik, die er gleich gegen die päpstlichen Truppen sowie Spanier und Franzosen verteidigen muss. Anita hält nichts mehr in Nizza. Sie reist nach Rom, um ihrem Mann erneut aufs Schlachtfeld zu folgen. Da ist sie bereits im vierten Monat schwanger. Bei ihrer Ankunft in Rom soll Giuseppe sie ihren Kampfgefährten so vorgestellt haben: "Das ist Anita. Jetzt haben wir einen Soldaten mehr."

 

Dieser eine Soldat mehr reicht allerdings nicht aus, um gegen den Papst und seine Unterstützer zu gewinnen. Die römische Republik fällt, Anita und Giuseppe fliehen Richtung Norden. Ihr Ziel ist die Republik Venedig. Zuerst sind sie auf Pferden unterwegs, später geht es zu Fuß weiter.  In der Nähe von Ravenna verlassen die schwangere Anita ihre Kräfte. Sie ist an Malaria erkrankt. Auf einer Farm im Dorf Mandriole stirbt Anita Garibaldi am 4. August 1849 im Alter von 28 Jahren in den Armen ihres Mannes.

Auf dem Sockel des Denkmals trägt Guiseppe seine kranke Anita durch Norditalien.
Auf dem Sockel des Denkmals trägt Guiseppe seine kranke Anita durch Norditalien.

Selbst im Tod scheint Anita keine Ruhe zu finden.  Bewohner des nahen Dorfes holen sie aus ihrem Grab, um sie an anderer Stelle anonym wieder zu begraben. Sie haben Angst vor der Rache der päpstlichen Truppen. Giuseppe Garibaldi verbringt die nächsten Jahre im Kampf oder auf der Flucht. Zehn Jahre später kehrt er jedoch nach Ravenna zurück und holt seine Frau auf einen Friedhof nach Nizza. Im Jahr 1931 tritt  Anita Garibaldi dann ihre letzte Reise an. Die Mussolini Regierung lässt ihre sterblichen Überreste nach langen und zähen Verhandlungen mit Frankreich in einem Sonderzug von Nizza nach Rom bringen.  Als gefeierte Heldin der Einheit Italiens wird Anita Garibaldi in einem pompösen Staatsakt auf dem Gianicolo beigesetzt.  Hier ruht sie nun fern ihrer brasilianischen Heimat, weit weg von ihrem Josè. Auch wenn sein Denkmal ganz nah ist,  seine letzte Ruhestätte hat Giuseppe Garibaldi auf einer kleinen Insel vor Sardinien gefunden. Bis zu seinem Tod im Jahr 1881 hat er noch zweimal geheiratet. Seine Anita soll er jedoch nie vergessen haben. 

Auf den Spuren von Anita Garibaldi

Wenn man die abenteuerliche Lebensgeschichte von Anita Garibaldi liest, können einem berechtigte Zweifel kommen. Ist das alles Historie oder doch eher ein Märchen? Die Bewunderung für das Freiheitskämpfer-Paar hat im Laufe der Jahre sicherlich einige Begebenheiten verklärt. Das meiste ist jedoch Geschichte, von der Ihr einen Teil in Rom nachvollziehen könnt.

#Das Denkmal für Anita Garibaldi Auf dem Gianicolo

Kampfszenen auf dem Denkmal von Anita Garibaldi
Kampfszenen auf dem Denkmal von Anita Garibaldi

Das Denkmal auf dem Gianicolo stammt vom Bildhauer Mario Rutelli. Während die Bronzeskulptur Anita als Patriotin und Mutter inszeniert, spielen sich auf dem Sockel dramatische Szenen aus ihrem Leben ab.

Piazzale  della Anita Garibaldi

Mit dem Bus 115 oder 870 geht es ab Lungotevere Sassia/S. Spirito auf den Gianicolo. Alternativ nehmt Ihr den Fußweg von Trastevere oder der Piazza della Rovere aus.

# Das Denkmal von Giuseppe Garibaldi auf dem Gianicolo

Seit 1895 sitzt der Freiheitskämpfer auf einem Pferd und schaut auf Rom hinunter. Bis 1929 schaute Garibaldi allerdings in die andere Richtung auf den Vatikan hinab. Nach dem Risorgimento war das Verhältnis zwischen Italien und dem Vatikan nicht das Beste, und so ließ der strafende Blick des Revolutionärs auf die Kuppel des Petersdom Platz für Spekulationen. Mit dem Abschluß der Lateranverträge im Jahr 1929 erkannte der Papst Rom als Sitz der italienischen Regierung an. Das Garibaldi Denkmal wurde umgedreht, worauf böse Zungen  lästerten, dass nun der Hintern des Pferdes in Richtung Vatikan zeige.

Beliebte Plätze in der ersten Reihe: Die Aussichtsterasse auf dem Gianicolo zu Füßen des Garibaldi Denkmals.
Beliebte Plätze in der ersten Reihe: Die Aussichtsterasse auf dem Gianicolo zu Füßen des Garibaldi Denkmals.

Jeden Mittag um 12 Uhr werden unterhalb der Piazza Garibaldi Kanonenschüsse abgefeuert. Die Tradition geht bis auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Papst IX hatte angewiesen immer pünktlich um 12 Uhr Schüsse abzufeuern, damit alle Kirchen sich mit ihrem Glockengeläut an dieser Uhrzeit orientieren konnten. Abends befindet sich zu Füßen von Garibaldi ein beliebter Treffpunkt von jungen Römern und Touristen, die das römische Lichtermeer im Dunkeln bewundern möchten.

Piazza Giuseppe Garibaldi

Mit dem Bus 115 oder 870 geht es ab Lungotevere Sassia/S. Spirito auf den Gianicolo. Alternativ nehmt Ihr den Fußweg von Trastevere oder der Piazza delle Rovere aus.

 

#Museo Della repubblica Romana e della MemoRia Garibaldina

Als die französischen Truppen den Papst gegen die gerade frisch gegründete Römische Republik unterstützen, griffen sie Rom von Süden her an. An einem der Stadttore der Aurelianischen Mauer, der Porta San Pancrazio, fanden erbitterte Kämpfe statt. Heute befindet sich in dem Stadttor ein Museum, das der kurzen Römischen Republik und der Erinnerung an Garibaldi gewidmet ist. Die historischen Ereignisse der Zeit,  in der Anita sich in Italien und Rom befand, werden hier sehr anschaulich eingeordnet. Das Museum liegt nur 5 Minuten Fußweg von Piazza Giuseppe Garibaldi entfernt.

Largo di Porta San Pancrazio

Di - Fr: 10 - 14 Uhr , Sa - So: 10 - 18 Uhr

Eintritt kostenlos

 

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