Eat, Eat, Eat oder mit Frau Roberts durch Rom

Wie stimmt man sich am Besten auf einen bevorstehenden Rombesuch ein? Greift man zu einer Auswahl an Reiseführern und/oder italienischer Rotweine? Stattet man mal wieder der Sauna ein paar Besuche ab, um sich an die Temperaturen zu gewöhnen? Oder lässt man sich von einem Film in das richtige Feeling versetzen? Der letztgenannten Variante möchte ich mich etwas intensiver widmen. In der nächsten Zeit werde ich im selbstlosen Eigenversuch diverse Filme schauen, deren Protagonisten sich durch Rom bewegen. Angefangen habe ich mit EAT.PRAY.LOVE. Irgendwann hatte ich mir die Selbstfindungs-Story einer New Yorkerin, gespielt von Julia Roberts, bereits einmal angeschaut und habe nur knapp bis zum Ende durchgehalten. Nicht mein Genre. Abgesehen davon wurde die Geschichte für mich ab dem Zeitpunkt völlig unglaubwürdig  in dem Julia Roberts JAMES FRANCO verlässt. Soviel dazu. Nun aber zum Wesentlichen: Frau Roberts in Rom. Genau diesen Teil habe ich mir nocheinmal zu Gemüte geführt, dabei zugesehen wie Frau Roberts ganz alleine auf der Engelsburg im Sonnenuntergang über den Dächern Roms steht, wie sie ganz alleine durch verlassene Gassen rund um die Piazza Navona streift, versucht Italienisch zu lernen und isst, isst und isst. In einer Szene genießt Sie einen Teller Pasta auf so hinreissende und sinnliche Art, dass einem selbst das Wasser im Munde zusammen läuft und dabei denkt:"Da muss ich auch hin." Wie gut, dass ich schon da bin!

Was mich ein wenig an der Rom-Sequenz in dem Film langweilt: Die Klaviatur aller gängigen Italienklischees wird hemmungslos einmal hoch und runter gespielt. Jeglicher Hirnaktivität beraubt geiffern Italienern Frauen in Shorts nach. Die Vermieterin in Kittelschürze singt ein Loblieb auf die "Famiglia". Das Licht ist immer irgendwie gülden, alles aus Stoff ist irgendwie rot weiss kariert und am Ende geht es, wie es sich für echte Südländer gehört, immer um SEX. 

Spannend finde ich jedoch die Antwort auf die Frage: Wo finde ich dieses provinzielle, ein wenig verschlafene Rom, das in Eat,Pray,Love präsentiert wird? Die meisten der Drehorte habe ich schon erkannt. Sie liegen rund um die Piazza Navona. Aber würde ich in diesen Gassen, in denen sich Frau Roberts dem Dolce far niente, dem süßen Nichtstun begleitet von kulinarischen Gelagen hingibt, die gleiche hoffnunglos kitschig romantische Atmosphäre finden. An einem Freitag. Vor einem Pfingstwochenende, das viele Menschen aus der ganzen Welt in römische Gassen lockt. Soviel darf ich an dieser Stelle schon einmal verraten. Inspiriert von Eat,Pray, Love hatte ich einen ganz wundervollen Vormittag. Hier nun als Einstimmung eine kleine Auswahl der Drehorte, die ich heute aufgesucht habe:

Das Haus, in dem Frau Roberts sich bei einer schrulligen alten Dame eine Wohnung mietet findet sich auf der Ecke Via dell `Orso und Via del Pianellari. Genau durch diese Gegend schlendert Frau Roberts alleine im güldenen Sonnenlicht. Und tatsächlich, gegen 10.00 Uhr herrscht hier eine unglaubliche Ruhe. Einen Katzensprung entfernt liegt die Piazza Navona. Hier verspeist Frau Roberts, andächtig auf einer Bank sitzend, ein Eis.

Nur wenige Schritte entfernt -im Restaurant Santa Lucia, Largo Febo 12 - trifft sich Frau Roberts mit Freunden zu einem ausgehnten italienischen Pranzo. Ein wirklich zauberhafter Ort. Was die Qualität der Speisen betrifft kann ich aus mangelnder Erfahrung nichts hinzufügen. Die Karte liest sich zumindest einmal vielversprechend.

In einer anderen Szene isst Frau Roberts gemeinsam mit ihrem Italienischlehrer - wenn ich es richtig deute - frittierte Zucchiniblüten aus denen geschmolzener Mozzarella rinnt. Was im Film als Restaurant mit karierten Tischdeckchen daherkommt ist in Realität das traditionsreiche Caffè della Pace, in der Via della Pace 3-7.

Wenn Sie nach Eat, Pray, Love auch Appetit auf ein etwas entrücktes Rom verspüren, in dem Zeit keine Mangelware sondern im Überfluss vorhanden ist, dann lassen Sie sich doch in diesem Bermuda-Dreieck des "Dolce far niente" treiben: im Norden begrenzt durch die Piazza del Popolo, im Osten durch die Via del Corso. Im Westen der Tiber und im Süden Corso Vittorio Emanuelle II.

 

Bummeln Sie vorbei an den Auslagen der vielen kleinen Geschäfte. Gönnen Sie sich ein Eis oder einen Cafè,z.B. im Tazza d´oro. Versuchen Sie einen verstohlenen Blick in den Innenhof des Palazzo Borghese im Largo Fontanella di Borghese 19 zu werfen. Darin befindet sich die spanische Botschaft. Oder Sie stöbern sich durch die Büdchen der Antiquitätenhändler auf der Piazza Borghese.

Machen Sie sich keine Sorgen wenn Sie in den wirren Gassen die Orientierung verlieren. Vielleicht führt der Zufall Sie auch an einen wundervollen Ort wie mich heute. Ich bin einfach zweimal hinter dem Pantheon abgebogen und stand vor dem Restaurant, das mir seit Eat, Pray, Love im Kopf herumgeistert. Ein abgeschiedener, kitschig romantischer, schattiger Ort, an dem man einen Teller Pasta geniessen kann. Als ich vor dem Il Bacaro in der Via degli Spagnoli 27 stand war ich am Ziel meiner Träume.

Die Mittagskarte des Il Bacaro ist im Vergleich zum Abend reduziert und unaufgeregt. Ebenso der Service. Die Stühle wackeln ein wenig. Dafür wird der Rotwein in richtigen Gläsern serviert. Ganz ganz weit weg, Luftlinie 200 Meter, drängelt es sich in der prallen Mittagssonne auf dem Vorplatz des Pantheon und hier herrscht schattige Stille und es riecht nach Sommer. Dazu werden Tonnarelli mit Käse und Pfeffer serviert. Nüchtern betrachtet nichts außergewöhnliches. In diesem Augenblick der Himmel auf Erden. Berauscht vom Mittagswein und einer Überdosis Rom-Romantik ging es dann zurück nach Hause. Vielen Dank Frau Roberts für diesen wundervoll kitschigen Vormittag!