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Sonntags haben Helden frei....Erholung in der Villa Torlonia

Unlängst wurden in einem äußerst deprimierenden SPIEGEL-Artikel die Römer als "gelernte Helden des Alltags" gerühmt. Tagtäglich ertragen sie - also auch ich - das Chaos einer Stadt, die quasi dem Untergang geweiht ist. Nach der Lektüre des Artikels kann man sich als Römer entweder den Strick nehmen oder nach Mailand ziehen, was für viele aufs Gleiche hinausläuft.

 

Oder man legt ganz einfach regelmäßig Urlaub vom Heldendasein ein. In der Regel wählt der römische Bürger die zweite Variante, reisst sich das Superman-Kostüm vom Leib und fährt am Sonntag ins Grüne. Weit muss man dafür in der Regel nicht fahren, denn die Ewige kann mit einigen schönen Parks punkten. Ich habe mich  heute für die Villa Torlonia, an der Via Nomentana, entschieden. Eine übersichtliche und auf reizende Art verwilderte Anlage, in der sonntags gejoggt, gepiknickt, der Hund und/oder der Nachwuchs ausgeführt wird.

Neben römischen Helden in freier Wildbahn gibt es auch einige interessante Bauwerke zu bewundern. Das Gelände befand sich in den noblen Händen der Familien Pamphili und Colonna, die es als eine Art Landgut hielten.  Bis der Park im Auftrag neuer Besitzer, der Familie Torlonia, 1806 in seine heutige Form umgebaut wurde. Ein romantischer grüner Ort mit Theater, Skulpturen, Sphinx, Teich und dem weissen Casino Nobile im Neoklassizismus. Von 1925 bis 1943 hat hier Benito Mussolini residiert. Seine Bunkeranlage unter dem Casino kann heute noch besichtigt werden. In den oberen Stockwerken befindet sich ein kommunales Museum. Mein Lieblingort in der Villa  Torlonia ist La Casetta delle Civette - das Eulenhäuschen. Ursprünglich als urige Schweizer Hütte angelegt, erhielt es Anfang des 20. Jhd. ein mittelalterliches Face-Lifting, um dann ab 1916 mit Jugendstil-Elementen versehen zu werden. Das Endergebnis ist zauberhaft und hätte gut in die Kulisse eines Harry Potter Films gepasst. Seinen Namen verdankt das Häuschen dem Eulenmotiv im Fenster über der Eingangstür. Überhaupt sind die bunten aufwändigen Schmuckfenster ein Hingucker.

 

Solltet Ihr  an einem Sonntag in Rom verweilen und schon einige Tage straffes Touristenprogramm hinter Euch haben - was nicht weniger heldenhaft als römisches Alltagsleben ist - empfehle ich eine Verschnaufpause in der Villa Torlonia. Nicht unweit liegt das Coppede Viertel, ein Muss für Freunde des Jugendstils . Ich würde über die Viale Regina Margherita dorthin schlendern, denn hier passiert man zwei unwiderstehliche Cafes. Einen schönen Sonntag wünsche ich!

So Kommt Ihr zur Villa Torlonia:

Nähe Petersdom:

ab Piazza Risorgimento mit der Tram 19 Richtung Gerani bis Haltestelle Regina Margherita/Nomentana 

Nähe Piazza Venezia:

ab Ara Coeli mit der Buslinie 62 bis Nomentana/Trieste

Nähe Termini:

ab Termini mit Metro B bis Policlinico 

Wenn Ihr in der Villa Torlonia seid, solltet Ihr Euch das auch unbedingt anschauen: