Sicher ins Heilige Jahr!

An dem Mittwoch nach den Terroranschlägen von Paris nahmen so wenig Menschen wie noch nie zuvor an einer Generalaudienz von Papst Franziskus auf dem Petersplatz teil. Tagelang wurde die U-Bahn stundenweise, aufgrund von falschem Bombenalarm, immer wieder lahm gelegt. Die erste Panik scheint sich mittlerweile in der Ewigen Stadt gelegt zu haben, die Sorge das nächste mögliche Ziel eines Terroranschlags zu werden ist jedoch allgegenwärtig in den Gesprächen auf der Straße, in den Medien und im Straßenbild. Das massiv erhöhte Aufgebot an bewaffneten Militärposten und Polizeibeamten in der ganzen Stadt ist unübersehbar. Und die Sicherheitsmaßnahmen werden noch verstärkt werden, denn am 8. Dezember gegen 9.30 Uhr wird mit der Öffnung der Goldenen Pforte im Petersdom das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eingeläutet. Neben vielen Pilgern, werden an diesem Dienstag 2200 Soldaten, 1000 Polizisten und noch einmal so viel römische Ordnungspolizei in der Stadt unterwegs sein. In einigen Stadtzonen besteht Park- und Fahrverbot. Ein 16-stündiges Flugverbot wurde über Rom verhängt. Alle Fahrzeuge, die explosive Substanzen transportieren wie z.B. Tankwagen, dürfen für mehrere Tage nicht auf römischen Straßen fahren. Beim heutigen Angelus Gebet auf dem Petersplatz waren die Sicherheitsmaßnahmen bereits verstärkt. Konnte man bisher einfach auf den Platz gehen, wurden die Pilger dieses mal schon vorab an Straßensperren kanalisiert und einzeln mit Körperscannern kontrolliert. Eine Prozedur, die alle der zahlreichen Besucher mit Geduld über sich ergehen ließen. Zahlreich waren auch die Zimmerstornierungen die nach den Attentaten in Paris bei den römischen Hotels eingingen. Bisher sollen die Reservierungszahlen noch nicht wieder angezogen haben. Während vor ein paar Monaten noch mit 30 Millionen Pilgern für das Heilige Jahr gerechnet wurde, kursiert nun plötzlich die Zahl 11 Millionen durch die Medien und sorgt für Sorgenfalten bei den Römern die vom Tourismus leben. Dass das Heilige Jahr von den Besucher- und Umsatzzahlen her ein Flop werden könnte, davon ist bisher niemand ausgegangen. 


Die Eröffnung des Heiligen Jahres ist nicht das erste Kirchenevent, das unter massiven Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden hat. Nur endet das Heilige Jahr nun eben nicht wie das Osterfest nach ein paar Tagen, sondern dauert 12 lange Monate an. Wie Rom, seine Bewohner und auch seine Besucher den einjährigen Ausnahmezustand erleben werden, wird sich zeigen. Ich zumindest werde am 8. Dezember den Hochsicherheitsbereich und die Menschenmassen in der römischen Innenstadt meiden und lieber ans Meer fahren. Aber schon am Mittwoch wird mich nichts und niemand mehr daran hindern, wieder ins Zentrum zu fahren und angstfrei durch meine Stadt zu laufen!

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