Siena - San Gimignano - Pisa

Unser erstes Ziel des Tages war Dank seiner charakteristischen Silhouette schon von Weitem zu sehen: San Gimignano, das Manhattan der Toskana, Weltkulturerbe der UNESCO, mitten in pittoresk toskanischer Bilderbuchlandschaft. Den Touristenzuspruch aus aller Welt verdankt die kleine Stadt den einst 70 heute noch 15 Geschlechtertürmen. Diese waren in einem Wettstreit zwischen Adelsfamilien getreu dem Motto "wer hat den Höchsten" entstanden. Wenn man heute durch die Stadtmauer schreitet, meint man in ersten Moment eine mittelalterliche Touristenkulisse in einem Freizeitpark zu betreten.  Die Straßen und Gebäude sind so akkurat und blitzeblank, dass sie unmöglich schon mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben können. Ein Laden angereichert mit Devotionalien reiht sich an den anderen. In der schmalen Gasse vor mir, waren mehr Touristen unterwegs, als ich an den letzten drei Tagen zusammen zu Gesicht bekommen habe. Urlaubs-Individualisten empfehle ich ihrem ersten Drang umzudrehen, nicht nachzugeben. San Gimignano bietet neben reichlich mittelalterlichem Flair, tolle Aussichten und Eis-Weltmeister. Die findet man auf der "Piazza della Cisterna". Wer buntes Keramikgut mag, kommt hier sowieso auf seine Kosten. 


Bei strahlendem Sonnenschein ging es weiter über Landsträßchen durch das typische Toskana-Quartett: Weinreben, Zypressen, Pinien und Hügel. Die letzteren verschwanden ebenso wie die idyllischen Ausblicke je näher wir Empoli kamen. Stattdessen dominierten schneebedeckte Berggipfel den Horizont. Die letzten Kilometer fuhren wir entlang der toskanischen Apenninen auf der Schnellstraße nach Pisa. Unser B&B lag nur wenige Meter vom schiefen Turm entfernt. Eine alte Villa, die liebevoll umgebaut worden war. Das Familienzimmer bestand aus zwei Räumen mit Balkon, der leider zu einer vielbefahrenen Straße hinausging. Der einzige Wermutstropfen des "Tower Inn". Es dauerte tatsächlich keine 3 Minuten Fußweg und wir standen direkt auf der "Piazza dei Miracoli". Ein in der Tat wundersamer Platz mit weiten Rasenflächen, einem schneeweißen Dom mit passender Taufkirche,einem überraschend schiefen Turm und sehr sehr vielen japanischen Mitmenschen. "

Der Platz hat seine ganz eigene Atmosphäre. Fröhlich und ausgelassen geht es hier zu. Zum einen freuen sich alle den schiefen Turm von Pisa live zu sehen, zum anderen versucht wirklich jeder in albernen Positionen sich zusammen mit den Turm für ein Foto in Szene zu setzen. Im Grunde kann man mehrere Stunden mit der Besichtigung aller der hier versammelten Bauwerke verbringen. Wir haben es bei dem Dom Santa Maria Assunta belassen. Ein wahrer Augenschmaus. Und herrlich leer. Die meisten Touristen hatten ihren Spaß draußen mit dem schiefen Turm. Der Eintritt in den Dom ist kostenfrei, jedoch muss man sich eine Ticket an der Biglietteria holen. Um so eventuell doch in Versuchung zu kommen und für 18.- EUR den schiefen Turm zu besteigen. 

Wir sind standhaft geblieben und haben uns noch wenig das Treiben auf der "Piazza dei Miracoli" angesehen, um dann einen Spaziergang durch Pisa anzutreten. Man muss sich ein wenig vom schiefen Turm entfernen, um nicht ständig unnützes Zeug am Straßenrand angeboten zu bekommen. Es war fast wie zu Hause. Wie in Rom. Über die pittoreske Einkaufsstraße "Borgo Stretto" sind wir zum Arno gelaufen. Über die Ponte die Mezzo ging es auf den "Corso Italia", einer quirligen Fußgängerzone, die uns zur "Piazza Vittorio Emanuele" brachte. Während eben noch Touristen das Straßenbild prägten, waren es hier hauptsächlich Studenten. Diese stellen ca. 50 % der Einwohner Pisas. Eine Stadt, die mich auf den ersten Blick nicht fesseln konnte. Sie besitzt nicht die Eleganz Sienas und ist nicht so herrlich bodenständig wie Arezzo. Ich hatte den Eindruck, dass die Stadt und ihre Einwohner ob der massenhaft einströmenden Tagestouristen etwas abgestumpft sind. Der zwischenmenschliche Umgang war eher römischer Stil, als die zuvorkommende und verbindliche Art, die wir bisher in der Toskana kennengelernt hatten. Vielleicht bin ich mit Pisa aber auch nicht warm geworden, weil wir hier im Vergleich zu den anderen Städten wirklich schlecht gegessen haben. Ich vermute auch, dass sich mir keine Gelegenheit bieten wird, um diesen Eindruck zu revidieren. Auch wenn der schiefe Turm faszinierend ist, einmal angucken reicht.

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