Nemi: das Erdbeer-Schlaraffenland

Am Wochenende zieht es die Römer und auch uns raus aus der Stadt. Dieses Mal ging es nach Nemi, in die Albaner Berge, ca. 30 km von Rom entfernt. Gerade im Sommer ist allein der Weg in die kühlere Höhe und in den Schatten von Kastanienwäldern eine Wohltat. Auf der "Straße der Seen" erwartet einen ein phantastischer Ausblick (auch wenn es heute etwas dunstig war) auf den Lago Albano und Castel Gandolfo, der Sommerresidenz des Papstes.

Das Dorf Nemi klammert sich an den Hang eines Kratersees. Dem Nemisee, zu dem ich vorab eine wahnwitzige und wahre Geschichte wiedergeben möchte. Kaiser Caligula ließ zu Ehren der Göttin Diana zwei Schiffe auf dem See bauen. Eines mit Tempelanlagen, ein anderes als Palast mit allerlei Annehmlichkeiten wie z. B. eigenem Warmwassersystem. Mit einer Länge von ca. 70 m waren beide Schiffe riesig für den verhältnismäßig kleinen Vulkansee. Die Schiffe wurden nach dem Tod des Kaisers versenkt und die Geschichte vergaß diese ungewöhnlichen Bauten für eine Weile. Für ungefähr 1800 Jahre. Erst 1929 wurden sie geborgen, in dem der gesamte See abgepumpt wurde. Ab 1940 wurden die restaurierten Schiffe in einem Museum präsentiert. Und jetzt passiert nach all der langen Zeit, der Arbeit und Mühe das Unfassbare: Nur 4 Jahre später wird das Museum mitsamt der Schiffe durch einen Brand zerstört. Welch eine Tragödie. Nemi hingegen ist ein heiteres und uraltes Dörfchen mit engen Gassen kleinen Geschäften und Restaurants, in denen man vorzüglich mit Blick auf den See essen kann. Nemi ist bekannt für seine (Wald)-Erdbeeren und für all das, was man mit Erbeeren anstellen kann: Wein, Likör, Marmelade, Seife, Törtchen, Aperitivi, Eis, etc. Nachdem wir Nemi innerhalb von 20 Minuten einmal durchquert hatten, haben wir uns Erdbeertörtchen und Cappuccino in strahlendem Sonnenschein mit Blick auf den See gegönnt. In dieser zauberhaften und zuckersüßen Atmosphäre hätte es mich nicht gewundert wenn Emily Erdbeer um die Ecke gebogen wäre.

Wer kulinarisch auf Deftiges steht, ist in Nemi übrigens auch gut aufgehoben Hier gibt es Porchetta (würziger, knuspriger Schweinerollbraten) zwischen frischen Brotscheiben. Der Porchetta-Lieferant unseres Vertrauens sitzt allerdings in Frascati. Für uns ein guter Grund auf dem Rückweg nach Rom dort noch vorbei zu schauen. Frascati liegt nur einige Kilometer von Nemi entfernt. Ruhig ging es heute auf der Aussichtsterasse zu. Die meisten Ausflügler saßen noch in den urigen Osterien der Stadt. So hatten wir den Blick auf Rom und die Villa Aldobrandini fast für uns ganz allein.

Von Termini aus fährt regelmäßig ein Regionalzug nach Frascati. Die Fahrt dauert nur eine halbe Stunde. Einem Ausflug in die Berge steht also auch kein fehlendes Auto im Wege. Unser Weg durch das heute schläfrige Frascati führte vorbei am Bischofs-Palast und an der Basilica San Pietro Apostolo. Unterhalb des Platzes liegt übrigens eine kleine Kirche, die Andrea Pozzo ebenso eine Illusions-Kuppel verpasst hat wie der  Sant Ignazio in Rom. Einen Besuch kann ich  jedem nur ans Herz legen.

Mit einer Tüte voll herrlich duftender Porchetta ging es für uns dann nach Hause. Dort wartete schon eine gut gekühlte Flasche Frascati auf uns und den Schweinebraten. In diesem Sinne: SALUTE!