48 Stunden in Rom - Gegen den Strom

Tag 1 - Freitag

13 Uhr = Mittagessen über den Dächern von Rom 

Das Café Colbert bietet nicht nur eine abwechslungsreiche Bistrokarte, sondern auch einen sensationellen Blick über Rom. Das Café ist in einen prächtigen Saal der Villa Medici auf dem Pincio-Hügel oberhalb der Spanischen Treppe eingezogen. Nach einer kleinen Sicherheitskontrolle an der Eingangspforte geht es über eine Wendeltreppe nach oben in die herrschaftlichen Räume, die mit französischen Designermöbeln ausgestattet wurden. Bei schönem Wetter lässt es sich ganz herrlich auf einer großen Terrasse sitzen, während einem Rom zu Füßen liegt.  Kann es einen besseren Start in ein römisches Wochenende geben??!!

14 Uhr = Spaziergang durch die Villa Borghese 

Die Villa Borghese ist eine weitläufige Parkanlage mitten im Herzen von Rom. Zuerst machen wir - vorbei an der noblen Casina Valadier -einen Abstecher zur Aussichtsterrasse des Pincio oberhalb der Piazza del Popolo. Während sich in den Gassen der Altstadt die Wochenend-Touristen drängeln, laufen wir über die Via delle Magnolie zu einem kleinen See, auf dem man Ruderboote mieten kann. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Museo Pietro Canonica. Das Gebäude, in dem einstmals Fasane und anderes Federvieh für die Jagd gezüchtet wurde, ist nicht nur von Außen sehenswert. Im Inneren lassen sich völlig kostenfrei die Werke und Wohnräume des Bildhauers besichtigen. Vorbei an dem schneeweißen Galleria Borghese voller Kunstschätze verlassen wir den Park und treten auf die Via Pinciana. Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Via Po, die wir immer geradeaus laufen bis zur Piazza Buenos Aires. 

16 Uhr = Quartiere Coppedè 

Gino Coppedè heißt der kreative Geist, der hinter dem märchenhaften Häuserzeilen rund um die Piazza Mincio steckt. Den Stil der Palazzi und Villen bezeichne ich als architektonischer Laie mit den Worten: bizarr, üppig, detailverliebt und äußerst sehenswert. Experten nennen es wohl Liberty, den italienischen Jugendstil. Von Coppedè auf die Spitze getrieben und kombiniert mit Rokoko-Elementen, so dass am Ende sein ganz eigener Stil dabei heraus kam: der Coppedè-Stil. Das Wohnviertel entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und erstreckt sich nur über einige Straßenzüge. Die Palazzi tragen Namen wie "Feenvilla" oder "Spinnenpalast". Beide finden Sie direkt an der Piazza Mincio, auf der ein "Froschbrunnen" sprudelt. Auf einem kurzen Rundgang über die Via Brenta, Via Serchio, Via Clitunno und Via Aterno gibt es noch mehr Architektur von Herrn Coppedè zu entdecken.  Gestärkt mit einem Gelato aus der Gelateria Salaria (Via Salaria 260) geht es mit der Tram 19 (Haltestellen auf der Viale Regina Margherita) in das Stadtviertel Prati bis zur Endhaltestelle Piazza di Risorgimento in die Nähe der Vatikanischen Museen. 

18.00 Uhr = Aperitivo im Il Sorpasso 

Das angesagte Lokal "Il Sorpasso" ist ein toller Ort, um sich für eine lange Museumsnacht zu stärken. Von den Schinken, die hier von der Decke hängen, sollte man ebenso ein Scheibchen probieren, wie ein Stück von den angebotenen Käsesorten. Dazu gibt es einen Schluck italienischen Roten, am besten an einem der Tische auf dem Bürgersteig genossen. 

20.00 Uhr = Vatikanische Museen bei Nacht 

Auch wenn die Tages-Bus-Touristen die Stadt schon lange verlassen haben und nicht mehr in langen Schlangen vor den Vatikanischen Museen stehen, sollte man seine Eintrittskarte vorab im Internet reservieren . So ist einem das unvergessliche Vergnügen garantiert, bis 23 Uhr durch die Stanzen des Raffael, Borgia-Gemächer oder die Sixtinischen Kapelle zu streifen. (Nachtöffnungen: jeden Freitag von April bis Oktober) 

23.00 Uhr = Betthupferl im Dolce Maniera, Live-Musik im Fonclea und süße Träume im Isa Hotel 

Die Bäckerei Dolce Maniera in Prati hat 7 Tage die Woche rundum die Uhr geöffnet und ist somit ein beliebter Treffpunkt für hungrige Nachtschwärmer. Besonders beliebt sind die Cornetti. Hörnchen mit diversen Füllungen wie Crema, Pistazie oder weiße Schokolade. Wer jetzt immer noch fit ist, sollte auf dem Weg ins Isa Hotel im Fonclea vorbeischauen. Fast jeden Abend gibt es in dem Club gute Live-Musik zu hören. 

Tag 2 - Samstag

8.00 Uhr  = Foto-Tour durch das morgendliche Rom 

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Dachpavillon des Hotel Isa beginnt der Tag mit einer Foto-Tour durch das morgendliche Rom. Bis ca. 10 Uhr sind die meisten der Touristen-Hot-Spots der Stadt noch nicht übervölkert und man hat die Straßen und Plätze (fast!) für sich alleine.  Hier ein Etappen-Vorschlag:

Petersdom - Engelsburg - Via dei Coronari - Piazza Navona - Palazzo Madama - Pantheon - Piazza di Pietra - Trevibrunnen - Cappuccino-Pause im Quirinetta Café - Via del Corso - Piazza Venezia - Vittoriano - Piazza del Campidoglio - Teatro di Marcello - Ghetto - Campo de` Fiori - Piazza Farnese - Ponte Sisto - Piazza Trilussa -Piazza di Sant´Egidio - Piazza di Santa Maria in Trastevere

11.00 Uhr = Verschnaufpause in Trastevere 

Touristenfreie Zone sind die Stühle vor dem Caffè di Marzio (Piazza di Santa Maria in Trastevere 15) ganz bestimmt nicht. Hier auf der Piazza di Santa Maria in Trastevere hat man eben einen wunderbaren Platz auf die gleichnamige Kirche. Dafür, dass man sich auf dem bekannten Platz mitten in dem so beliebten Viertel befindet und die Kellner des Caffè di Marzio Fliege tragen, sind die Preise für Cappuccino & Co.  überschaubar. Wer sich von der Foto-Tour durch halb Rom in authentischerem Ambiente erholen möchte, geht nur ein ein paar Schritte weiter und wählt einen der Plastikstühle vor der Café-Bar-Institution Bar San Calisto (Piazza di San Calisto 4). 

12.00 Uhr = Ab auf den Aventin 

Zu Fuß geht es jetzt über die am Abend übervolle Via della Lungaretta  und die romantische Via della Lungarina immer weiter geradeaus bis zur Brücke Ponte Palatino. Mit Blick auf die Tiberinsel und die Reste der Ponte Rotto geht es auf die andere Uferseite, wo der Mund der Wahrheit, Foro Boario, der Circus Maximus und ein toller Blick auf die Kaiserpaläste auf dem Palatin warten. Anschließend geht es hoch auf einen weiteren der 7 Hügel, den Aventino. 

Auf der Via di Santa Sabina, wartet ein römisches Highlight auf das andere:

Orangengarten = toller Blick auf Petersdom und Rom 

Basilica di Santa Sabina = frühchristliche Kirche mit beeindruckender Holzpforte 

Basicilica Ss. Bonifacio e  Alessio = beliebte Hochzeitskirche 

Buco della Serratura = Schlüsselloch in Tor auf der Piazza dei Cavalieri di Malta mit "Durchblick" auf Kuppel des Petersdoms 

Chiesa di Sant Anselmo = Abteikirche inkl. kleinem Klosterladen der Benediktiner 

14.00 Uhr = Pranzo in Testaccio 

Steigt man den Aventin Hügel auf der anderen Seite wieder hinunter, steht man an der Via Mamorata im Stadtviertel Testaccio. Früher lebten in dem Viertel hauptsächlich Arbeiter des römischen Schlachthofes. Seit der in den 70er Jahren endgültig geschlossen wurde, hat sich die Gegend ganz schön verändert. Sehr viel Gastronomie, Bars und Clubs haben sich hier angesiedelt. Geblieben ist allerdings der urbane Charme, das Schlachthofgebäude, ein Hügel aus den Scherben antiker Tonkrüge und der Hang zur typisch römischen Küche. Die kann man zum Beispiel ganz hervorragend bei Flavio al Velavevodetto kosten. Das Restaurant liegt direkt am Monte Testaccio, dem eben erwähnten Scherbenhügel, und ist bekannt für seine deftigen und üppigen Pasta-Gerichte. Etwas moderner geht es im Trapizzino zu. Hier wird ein kulinarischer römischer Renner serviert: Pizzateigtaschen mit diversen Füllungen wie Fleischbällchen in roter Sauce, Auberginen, Zunge, Hühnchen etc. 

15.00 Uhr = Ein Friedhof für Nichtkatholiken und eine Pyramide 

Auf dem Campo Cestio, auch Protestanten-Friedhof genannt,  haben viele Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Dichter und Diplomaten, die vor allem im 19. Jhd. nach Rom gekommen sind, im Schatten der schneeweißen Pyramide des Cestio ihre letzte Ruhestätte gefunden. Eine illustre Gesellschaft mit internationalem Flair. In 15 Sprachen sind die teilweise anrührenden Grabinschriften verfasst.

Besonders oft besucht wird die Grabstätte des englischen Dichters John Keats, die sich im älteren Bereich des Friedhofs auf einer Wiese direkt an der Pyramide befindet. Ein Sohn von Goethe, August, liegt auf dem "neueren" Teil begraben. "Goethes Sohn, verstarb dem Vater vorangehend mit 40 Jahren, 1830" ließ Goethe auf dem Grabstein verewigen. Während man unter hohen Zypressen auf den schmalen Wegen schlendert trifft man oft auf wilde Katzen, die in der Sonne ein Nickerchen halten. Betreut werden die Vierbeiner von einem Verein, der direkt an der Pyramide eine kleine Katzenstation betreibt. 

17.00 Uhr = Shopping-Bummel durchs romantische Monti 

Mit der Metro (Station an Porta San Paolo) geht es in Richtung Innenstadt bis zur Haltestelle Cavour. Wer lieber Bus fährt steigt auch an der Porta San Paolo in die Linie 75 (Richtung Indipendenza) und fährt bis Cavour-Annibali. Egal für welches Fortbewegungsmittel man sich entscheidet, man steigt quasi vor der Haustür einer der schönsten römischen Viertel mitten im Zentrum aus. Monti, das sind Kopfsteinpflastergassen voller toller Boutiquen und Kunsthandwerker, charmante Stadthäuser mit verwaschenen Fassaden und Efeuberankung sowie eine großartige Auswahl an Lokale, Restaurants und Bars. Am besten lässt man sich einfach durch folgende Straßen treiben: Via Leonina, Via Urbana, Via degli Zingari, Via Panisperna, Via dei Serpenti, Via del Boschetto. Samstags und sonntags findet übrigens ein sehr sehenswerter Vintage- und Designmarkt in der Via Leonina 46 statt. Mehr Shoppingtipps für Monti habe ich hier niedergeschrieben. 

19.00 Uhr = Aperitivo - Stunde 

Der ideale Zeitpunkt, um sich bei einem Aperitif auf einen langen römischen Abend vorzubereiten. Das La Bottega del Caffè  auf der Piazza della Madonna dei Monti ist eine tolle Location, um bei einem Glas Spritz das Kommen und Gehen auf dem Platz zu beobachten. 

20.00 Uhr = Pasta, Sushi oder Street-Food

Die Gastro-Szene in Monti ist so facettenreich, da ist für jeden Geschmack etwas dabei:

La Carbonara: Wer mittags noch keine Carbonara hatte, sollte sie hier unbedingt probieren! (Reservieren!)

Temakinho: angesagte Restaurant-Kette, in peppigem Design und brasilianisch-japanischer Fusion-Küche (Reservieren!)

L´asino d´oro: fantastische Gerichte aus Umbrien, es gibt sogar ein paar Außenplätze (Reservieren!)

Ce stamo a pensà: Street-Food à la Napoli (Anstehen) 

22/23 Uhr = Nachts durch das Caesar-Forum - Viaggio nei Fori 

Dank einer ausgefeilten Multimedia-Show erwacht das Caesar-Forum von April bis Oktober jeden Abend wieder zum Leben. Zu Fuß und mit Hightech-Kopfhörern ausgestattet läuft man vorbei an Ruinen, Säulen und sogar unter der Via dei Fori Imperiali hindurch, während einen  Bildprojektionen in die Vergangenheit entführen. Die Tour startet mehrfach am Abend, dauert insgesamt 45 Minuten und muss vorab im Internet gebucht werden. Dieses Event ist nicht nur bei Touristen, sondern auch bei Römern beliebt. Also bitte rechtzeitig anmelden! Wer nach dem langen Tag den Abend vielleicht lieber im Sitzen verbringen möchte, bucht einen Platz auf den kleinen Tribünen für die multimediale Reise durch das Augustus-Forum. 

24 Uhr = Gute Nacht Drink! 

Wer müde ist, fährt mit einem der Nachtbusse (N7) ab Piazza Venezia zurück ins Hotel in Richtung Prati. Alle anderen genießen bei einem Spaziergang ins Hotel (45 Minuten) die (hoffentlich laue) römische Nacht. Wer noch Lust auf einen Cocktail unter römischen Sternenhimmel hat, schaut in der Bar del Fico in der Nähe der Piazza Navona vorbei.  In der Flüsterbar Argot nahe des Campo de´Fiori  gibt´s tolle Drinks und auch Live-Musik. 

Tag 3 -  Sonntag

10 Uhr = Street-Art in Rom 

Mit der Metro A (Haltestelle Lepanto bis Porta Furba - Quadraro) oder der Buslinie 590 (ab Piazza Risorgimento bis Tusculana/Mamili geht es ins Viertel Quadraro in ein Freiluft-Museum der besonderen Art. International bekannte Street-Artisten haben in dem Viertel ihre Werke hinterlassen, die unter dem sehenswerten Projekt MURo zusammengefasst sind.  Die Murales liegen sehr nah beieinander. Ihre Position und tiefergehende Infos zu den Werken sind auf der Homepage von MURo zu finden. 

12 Uhr = Sonntags-Spaziergang durch den Park der Aquädukte 

Sonntags zieht es die Römer in die grünen Lungen der Stadt. Zum Joggen, Fahrradfahren oder Spazierengehen mit der ganzen Familie. Wer einmal an solch einem typischen sonntäglichen Zeitvertreib teilnehmen möchte und zwar in einem äußerst beeindruckenden Park, der ist im Parco degli Acquedotti genau richtig. Mit Blick auf die Albaner Berge spaziert man entlang von fast schon absurd gut erhaltenen Überresten einiger Aquädukte, die einst das antike Rom mit Wasser versorgt haben. Wer schon einmal Woody Allen´s Streifen "To Rome with Love" gesehen hat, weiß was ihn da Tolles erwartet. (mit Metro A von Porta Furba - Quadraro drei Haltestellen weiter bis Giulio Agricola, dann zu Fuß zur Via Lemonia zu einem der Parkeingänge) 

14 Uhr = Pizza-Genuss bei Emma 

Moderne Kunst und Pizza-Tradition passen ganz hervorragend zusammen! Davon kann man sich bei  Emma  in der Nähe des Campo de´Fiori überzeugen. Hinter der Pizzeria in zeitgenössischer Optik steckt eine bekannte römische Bäcker- und Gastronomie-Familie, die hier nicht nur eine Spitzen-Pizza mit dünnem Boden auf den Tisch bringt, sondern auch viele vegetarische und vegane Gerichte auf die innovative Karte gesetzt hat. Viele der Kreationen bestehen aus Bio-Zutaten und ganz speziellen Komponenten, wie dem berühmten Mozzarella aus Paestum oder Tomaten vom Vesuv... Zur Pizza trinken Italiener übrigens gerne Bier. Die Auswahl kann sich genauso sehen lassen wie die Weinkarte. Unbedingt reservieren!