Reise-Tip: Das Itria-Tal im herrlichen Apulien

Tiefrote Erde. Grüne Olivenhaine. Weiße Trulli-Häuser. Und dazu ein knallblauer Himmel. So lässt sich das Itria-Tal optisch am ehesten beschreiben. Aber dieses herrliche Fleckchen Apulien, das hinter der Hafenstadt Bari beginnt hat noch einiges mehr zu bieten. Vor allem für Sommer-Urlauber wie mich, die es nicht unbedingt ans Meer zieht. Wobei das bei Bedarf in direkter Nähe liegt und mit wunderbaren Stränden lockt. Als Ausgangspunkt für Ausflüge in die  abwechslungsreiche Umgebung habe ich zum wiederholten Male die 

Masseria Torricella

ausgewählt. Der Agriturismo - auf deutsch: Hotel-Bauernhof - liegt nur wenige Kilometer von dem Örtchen Alberobello, berühmt für seine Trulli, entfernt.  

Wenn man über die Olivenbaum gesäumte Auffahrt auf der in cleanem weiß gehaltenen Anlage vorfährt, kommt man im ersten Moment nicht auf die Idee, sich auf einem Bauernhof zu befinden. Statt Ställen trifft man hier auf eine moderne Pool-Landschaft mit traumhaften Blick in die Landschaft und einladenden Sitzgelegenheiten, die schon am frühen Morgen Lust auf die spätere Aperitivo-Stunde machen. Der eigentliche Bauernhof befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Tals. Von dort und den umliegenden Feldern und Gärten stammen die Zutaten für die Menüs, die am Abend in einem romantischen Innenhof auf mehreren Ebenen, serviert werden. Die Küche ist bodenständig und regional geprägt. Es gibt mehrere Vorspeisen sowie einen Primo und Secondo, bei denen man aus jeweils zwei Alternativen wählen kann. Fehlen darf dabei unter gar keinen Umständen eine Flasche der hervorragenden Weine aus eigener (biologischer) Produktion. (Ich empfehle unbedingt den Primitivo zu kosten, von dem ich immer ein paar Flaschen mit nach Rom transportiere). Die Zimmer, in denen ich bisher wohnen durfte, sind im Landhausstil eingerichtet und verfügen teils über moderne sehr großzügige Bäder. Ich empfehle das Zimmer 3. Es liegt mit einer kleinen Terrasse zum Pool hin und bietet einen tollen Blick ins Tal.  Der Service ist so herzlich und freundlich, dass man eventuelle kleine sehr charmante Unprofessionalitäten sofort verzeiht. Manch einer der internationalen Gäste mag ob des geschmackvollen Ambiente´s vergessen, dass er sich nicht in einem Sterne-Hotel, sondern einem Bauernhof befindet. Zu dem gehört auch ein Fitnessparcours der durch ein höher gelegenes Waldstück führt, auf dessen "Gipfel" gerade zu den Abendstunden ein herrlicher Ausblick wartet. Den gibt es übrigens auch vom Poolbereich aus, über den von irgendwoher fast immer ein laues Lüftchen weht. Begleitet von einem (immer sehr reichlich gefüllten) Glas Tramonti (Rosé Brut des Hauses) fällt die Planung für die nächsten Ausflüge direkt viel leichter. Was Ausflugsziele angeht, so steht man in der Masseria Torricella vor der Qual der Wahl. Hier nun ein paar Anregungen für die Unentschlossenen: 

Ausflug mit Zipfelmützen, Strand und ganz viel Ausblick

Den folgenden Tagesausflug habe ich in einem hitzigen Juli unternommen. Daher auch die Strandpause am Nachmittag. Zum einen macht Seightseeing bei 36 Grad auch nicht wirklich viel Spaß und zum anderen verfallen die Städtchen im Süden Italiens zwischen 13 und 17 Uhr in die Sommerstarre. Niemand und nichts bewegt sich mehr in den Straßen. Außerdem schließt ein Großteil der Geschäfte. Natürlich können auch alle Ziele einzeln angesteuert werden... 

Alberobello

Schneeweiße runde Häuschen mit grauen Zipfelmützen warten nur 5 Minuten Fahrtzeit von der Masseria Torricella entfernt. Sie sind die Touristen-Attraktion von dem Örtchen Alberobello. Die sogenannten Trulli locken Besucher aus der ganzen Welt in die schmalen Gassen, in denen ein Souvenir-Shop neben dem anderen eingezogen ist. Die Touristendichte ist hoch, wird aber erst unerträglich wenn die Busse der Kreuzfahrer aus Bari einfallen. Am Besten kommt man am frühen Morgen und schlendert durch die wirklich sehenswerte Altstadt, in der auch eine Trullo-Kirche steht. Wer sich fragt was die die weißen Symbole auf den Trullidächern bedeuten, dem sei an dieser Stelle schon einmal soviel verraten: Einst dienten die Zeichen als eine Art Hausnummer und hatten zudem eine magisch schützende Bedeutung. Ein Teil der Symbole ist heidnischen Ursprungs, die anderen haben ihre Wurzeln im Christentum und in der Welt der Magie. Die Trulli-Altstadt erstreckt sich oberhalb des Largo Martellotta. Vom Belvedere Santa Lucia an der Piazza San Giangirolamo kann man sich einen einen wunderbaren Überblick über den Zipfelmützen-Stadtteil verschaffen. 

Locorotondo

Über die schnurgerade SS172 geht es weiter nach Locorotondo. Der Name des Ortes ist Programm. Rotondo, also rund, ist die Altstadt des Örtchens, und sie liegt gut sichtbar mit ihrer schneeweißen Häuserfront auf einer Erhebung. Von der aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Itria-Tal. Nach einem kurzen Spaziergang durch die pittoresken Gassen kann man eine schattige Pause in einem Park an der Piazza Dante einlegen und ins Tal schauen. Übrigens: Direkt an der Piazza Dante liegt ein unscheinbares Lebensmittelgeschäft, in dem man hervorragende Panini (belegte Brötchen) schmiert. Den Belag darf man vorher auch mal gerne kosten. 

Martina Franca

Fast 50.000 Einwohnern zählt die Barock-Stadt, deren historisches Zentrum mit allerlei Sehenswürdigkeiten punktet. Am besten betritt man die von einer Mauer umringten Altstadt über die Piazza XX Septembre und lässt sich dann vorbei an den prunkvollen Palästen und Kirchen durch die Straßen treiben. Verpassen sollte man nicht den Besuch des Palazzo Ducale aus dem 17. Jahrhundert und der Basilika San Martino! Verpassen sollte man auch nicht eine Zitronen-Granita in der Latteria del Ringo, Via Vittorio Emanuele 18! Wer gerne schick shoppen geht wagt einen Abstecher in den Corso Messapia! Wem es jetzt langsam aber sicher zu heißt wird, sollte eine Siesta am Strand einlegen. Mein bevorzugter Abschnitt liegt 40 Minuten Fahrtzeit entfernt. 

Lido Bosco Verde - Marina di Ostuni

Wie an vielen italienischen Stränden geht es auch am Lido Bosco Verde eng zu. Allerdings nicht im Adria-Style ordentlich in Reih und Glied, sondern quer Beet. Es handelt sich um einen freien Strand, an dem man sich mit eigenem Equipment nieder lassen oder Sonnenliegen samt Schirm (2 Liegen + Schirm = 13 EUR, Parkplatz 4 EUR) mieten kann, die dann an der Wunschposition aufgestellt werden. Wer keine Berührungsängste hat und tief in den italienischen Beach-Lifestyle eintauchen möchte ist hier genau richtig. Ausserdem wird es ganz sicher keine Minute langweilig!! Und wem es dann doch mal zu eng wird, taucht einfach in dem kristallblauen Meer ab oder schaut in der nahen Bar oder in einem der Strandrestaurants vorbei. Gegen frühem Abend kann es dann weiter ins 12 km entfernte Ostuni gehen. 

Ostuni

Die città bianca, die weiße Stadt, liegt circa 30 km südlich von Alberobello. Durch das Gassengewirr der Altstadt weht nicht nur der Wind vom nahen  Meer, sondern auch ein Hauch Griechenland und eine Prise Orient. Wenn man sich über die Treppen und Gänge durch das alte Ostuni treiben lässt, trifft man immer wieder auf mit liebevoll gestaltete Blumenarrangements vor den weiß gekalkten Häusern und gepflegte Restaurants oder Cafés. Spektakulär sind von hier aus natürlich auch die Ausblicke aufs Mittelmeer. Gute Parkplatzmöglichkeiten bestehen rund um den Parco Rimembranze, in dem man bei Bedarf auch eine kleine Sonnenpause einlegen kann. Am Ausgang in Richtung Altstadt liegt ein Forno (Bäckerei), in dem es das leckere Focaccia pugliese (klassisch mit Tomaten und Oliven) in diversen Geschmacksrichtungen zu erwerben gibt. 

Nachmittags-Ausflug Nach Monopoli und Polignano

Dem Pool der Masseria Torricella lädt zu einem richtigen Faulenzer-Tag ein. Und wenn dann am späten Nachmittag die Temperaturen so ganz langsam sinken, ist das der ideale Zeitpunkt um zwei nahe Küstenstädte zu entdecken. Vor 17 Uhr braucht man im Sommer dort jedoch nicht aufzutauchen. Außer man möchte alleine durch die hitzigen Gassen streifen und ganz viel italienisches Urlaubsfeeling verpassen. 

Monopoli

Bis nach Monopoli ist es quasi nur ein Katzensprung. Das pittoreske Fischerstädtchen liegt nur 18 km von der Masseria Torricella entfernt. Parkplätze findet man gegen 17 Uhr noch im ausreichender Anzahl rund um die Piazza Vittorio Emanuele II. Von hier aus sind es nur ein paar Meter bis in die pittoreske Altstadt, die mit überraschend vielen hübschen Kirchen, einem Hafen, einer Burg und verwinkelten Gassen punktet. Egal in welche Richtung man sich wendet, irgendwann stösst man immer auf eines der Schilder, die verschiedene Rundgänge durch Alt-Monopoli anzeigen. Ich mag an Monopoli die lässige und gleichzeitig ursprüngliche Atmosphäre. Viele hübsche Bars, Cafés und Geschäfte weisen Monopoli aus Touristenstädtchen aus, während andererseits um jede Ecke, vor fast jedem Hauseingang die älteren Bewohner ihre Stühle auf die Straße stellen, um Schwätzchen zu halten und die Vorbeiziehenden zu beobachten. Die schnuckelige Piazza Giuseppe Garibaldi bietet sich übrigens hervorragend für einen ersten Aperitivo oder ein Eis an. Danach geht es weiter 9 km weiter gen Norden in ein wahres Apulien-Highlight!!!

!!!Polignano a Mare!!!

Ein absolutes Sightseeing-Muss ist Polignano! Die romantische Altstadt des Städtchen ragt auf steilen Klippen ins Mittelmeer hinein. Beim Schlendern vorbei an kleinen Restaurants und Shops landet man immer wieder völlig unverhofft auf Terrassen mit traumhaften Ausblicken.

Einen besonders unwiderstehlichen Charme versprüht Polignano beim Sonnenuntergang. Dann füllen sich die unzähligen Bars, von denen man  aus nach einen Aperitivo in eines der Restaurants weiterziehen kann, die sich in einer Felsgrotte direkt über dem glitzernden Meer befinden! Einfach traumhaft!! Polignano liegt ca. 30 Fahrminuten von der Masseria Torricelli entfernt. 

Und viele Ausflugsziele mehr...

Selva di Fasano...12 km

Selva di Fasano ist ein höher gelegener Teil der Stadt Fasano. Auf 450 Meter Höhe wohnen die Einwohner, die - wenn man nach den recht prunkvollen Eigenheimen geht - nicht am Hungertuch nagen. Highlight der kleinen, schicken Gemeinde ist die Panoramastraße SP2 mit zwei Aussichtsparkplätzen. Vom hier aus hat man nicht nur einen wahnsinnigen Blick aufs Meer, sondern auf Elefanten und Giraffen, die zu dem Safari-Zoo von Fasano gehören.

Matera ....70 km

Das sagenhafte, wunderbare und einzigartige Matera mit seinen Sassi (Höhlensiedlungen) ist jede Reise wert! Die Hauptstadt der Provinz Basilicata ist nicht nur geschichtlich ein italienisches Must-See. Auch der Flair der aus dem Fels gewachsenen Stadt ist unvergleichlich.