Gargano - der Wilde Sporn Italiens

Wer abwechslungsreiche Strände, wilde Wälder, aufregende Steilküsten und verlassene Landstraßen mag und ausserdem kurvenfest ist, der muss einfach einen Trip in den Gargano, den Sporn Italiens einplanen. Die Gegend rund um die beiden Küstenstädtchen Peschici und Vieste habe ich während zwei Sommerurlauben schätzen gelernt. Einfach, lässig und naturverbunden geht es hier zu. Irgendwie scheint hier die Zeit stillgestanden.  Für Massentourismus ist kein Platz, wobei mich die hohe Anzahl von Camping-Plätzen besonders rund um Vieste durchaus überrascht hat. Im Frühjahr und Herbst ist Halbinsel ideal zum Wandern und im Sommer laden Sandstrände und Buchten entlang der ganzen Küste zum Sonnen, Baden, Tretboot fahren und Paddeln ein. Unbedingt von der Nähe aus sollte man sich ein Trabbucco anschauen. Seit dem 14. Jahrhundert dienen die Holzbauten dem Fischfang. Bevor ich von meinen Reise-Erfahrungen im Gargano berichte vorab mein ganz persönlicher Übernachtungstip: 

Urlaub auf dem Weingut - POsta Postarella Bei VieSte

Am liebsten steige ich in Italien in einem Agriturismo ab. Die zu Ferienunterkünften um- und ausgebauten Bauernhöfe oder Weingüter verfügen über reichlich individuellen Charme und sorgen für direkten Kontakt zu Einheimischen. Was den Komfort angeht, da muss man sich nicht unbedingt einschränken. Agriturismi stehen in diversen Ausführungen und Preisklassen zur Auswahl (www.agriturismo.de). 

Im Gargano fiel meine Wahl auf das Posta Postarella. Ein Weingut oberhalb von Vieste. Neben klassischen Zimmern im Haupthaus vermietet die Besitzer-Familie auch Apartments inkl. Küchenzeile und kleiner Terrasse, mit Blick auf die grünen Hügel des Gargano. Das Frühstück wird am großzügigen Pool serviert, ein Restaurant ist in diesem Falle nicht vor Ort. Dafür kann man in der Cantina hervorragende Weine erwerben, die mir besonders gut zum Sonnenuntergang auf der Terrasse unseres Apartments geschmeckt haben. Die Anlage ist sehr gepflegt, herrlich grün und bietet aus manch einer Position einen verlockenden Blick auf das nahe Meer. Außerdem ist die Lage hervorragend. Man ist schnell in den Küstenstädtchen Vieste oder Peschici, das Besucherzentrum des Foresta Umbra liegt quasi um die Ecke und die Auswahl an tollen Stränden ist riesig.  

 

Ausflugsziele im Gargano:

Der Weg ist das Ziel - Autofahren im Gargano

Für ein paar Kilometer Luftlinie auf den verschlungenen, oft schmalen Straßen, braucht man Zeit und einen kurvenfesten Magen. Wer über beides verfügt darf den Ausblick auf endlose weites Meer, tiefgrüne wilde Wälder und steile Klippen genießen. Eine der schönsten Strecken führt sicherlich von den Küstenorten Peschici über Vieste bis nach Mattinata. Für die ungefähr 90 km lange Strecke sollte man mindestens 2 Stunden (zzgl. ausreichend Zeit für kleine Stops am Wegesrand zur Bewunderung der wunderschönen Buchten) einkalkulieren. Am Wochenende sollte man sich die Fahrt sparen, weil sich dann ganze Kolonnen von Badewilligen aus der Umgebung über die Serpentinen schlängeln. 

 

Vieste

Mit seinen über 40.000 Einwohnern ist Vieste die größte Stadt im Gargano. Die weisse Altstadt voller kleiner Geschäfte, unzähliger Restaurants und enger Gassen ragt malerisch auf einem Felsen mitten ins Meer hinein und ist ideal für einen kleinen Bummel. Besonders am Abend quellen die Gassen über vor Besuchern. Auf der Spitze der Felsformation erhebt sich ein Castello, das leider nicht zu besichtigen ist. Von hier aus hat man allerdings einen tollen Blick auf einen der beiden Stadtstrände, auf dem der Pizzomuno steht. Die weiße Monolith ist 28 m hoch und das Symbol von Vieste. Mir gefällt Vieste besonders in den Abendstunden, wenn es von Touristen und Einheimischen geflutet wird, sich die reichlich vorhandenen Pizzerien füllen und die Schlangen in den vielen Eisdielen immer länger werden. Wer es etwas gediegener mag und auf ein Abendessen mit Blick auf die untergehende Sonne im Meer Wert legt wird in Vieste auch fündig. Ich selber bin  in einem Restaurant gelandet, das ich leider nicht empfehlen kann. Der Ausblick aufs Meer und die Altstadt ist im "Guarda che luna" tatsächlich atemberaubend, tröstet allerdings nicht über die lieblose Küche und den fürchterlich hektischen Service hinweg. Also lieber den Ausblick auf die Altstadt genießen und dann geht es für Fischliebhaber rüber zum Hafen in die "Pescheria Adriatica", Via Ferdinando Magellano.  Hier werden für kleines Geld hervorragender Fisch und Meerestiere serviert. Auf Plastiktellern und fast ganz ohne Touristen... 

Spiaggia di ZaIAna

Malerische Buchten gibt es im Gargano reichlich zu entdecken. Mein Lieblingsstrand liegt in der Nähe von der Peschici. Allein die Anfahrt bis zum Spiaggia di Zaiana über eine holprigen schmalen Weg ist ein Erlebnis. Ich bin immer wieder hin und her gerissen zwischen der tiefen Bewunderung für den wahnsinnigen Ausblick aufs Meer, das einem zu Füßen liegt und der ganz tiefe Sorge um Gegenverkehr. Bisher sind wir jedoch noch nie in die Verlegenheit gekommen, den teils abschüssigen Weg wieder rückwärts fahren zu müssen. Der Parkplatz liegt an einer etwas höheren Klippe. Das Einparken bis knapp an den Klippenrand ist nichts für schwache Nerven und so halte ich es wie ein Großteil der Beifahrer. Ich steige aus und schaue einfach nicht hin, wie mein Göttergatte von einem einheimischen Parkwächter eingewiesen wird. Danach kann dann endlich das absolute Entspannungs-Programm folgen. Über unendlich viele Treppenstufen geht es hinunter in die Bucht, wo ein kleiner Sandstrand wartet. Zur Hälfte das Reich eines Strandliegen-Vermieters, der auch der Inhaber der Bar und des Restaurants ist, das in eine Grotte der Felswand gebaut wurde. Wer sich keine bequeme Liege samt Schirm mieten möchte, lässt sich einfach im freien Strandbereich nieder. Ganz egal wo man liegt die Bucht ist ein herrlicher Urlaubs-Mikrokosmos, in dem man ganz abgeschieden von der Rest der Welt, baden, hin und her spazieren, Tretboot oder Kanu fahren, Espresso trinken, Spaghetti alle Vongole essen, Eis schlecken, lesen und sich sonnen kann. 

 

 

Monte S. Angelo

Auf knapp 800 Metern Höhe thront das Städtchen Monte Sant´Angelo und gewährt bei klarer Sicht einen weiten Blick über Apulien. Die meisten Besucher kommen allerdings nicht wegen der Aussicht auf die Küste gen Süden Richtung Bari, sondern sie pilgern zu einer Grotte, in der ein Erzengel erschienen ist. Das soll im 5. Jahrhundert geschehen sein und es war der Erzengel Michael persönlich. Man muss allerdings kein Pilger sein, um Gefallen an der Grottenkirche San Michele  zu finden. Erst geht es über einige Treppen in die Tiefe und dann steht man tatsächlich mitten in einem höhlenartigen Gotteshaus. Ich hatte das Glück mitten in eine Messe zu platzen, der von einem jugendlichen Priester gehalten wurde. Er sah nicht nur aus wie Jesus, sondern sprach auch so wie ich es zumindest von Jesus erwarten würde. Ruhig und leise, aber laut genug damit jeder in der proppenvollen und mucksmäuschenstillen Kirche ihn hören konnte.  Ich habe schon so manche Andacht und Morgenmesse als interessierte Protestantin im imposanten Petersdom verfolgt. Keine von denen kann es atmosphärisch mit meinen 10 Minuten in dieser kleinen intimen Höhle samt Jesus-Double und inbrünstig betenden Pilgern aufnehmen! 

Einen Besuch ist auch das gut erhaltene Kastell aus dem 9. Jahrhundert wert. Es bietet geniale Blicke in die Landschaft und ausreichend Möglichkeiten über Zinnen, Türme, Tunnel zu streifen. Die kleine Altstadt lädt zum Bummeln, Kaffee-Trinken und zum Erwerb von diversen Touristen-Devotionalien ein. Die "kulinarische" Spezialität "Gefüllte Hostien" kann ich allerdings nicht wirklich empfehlen. Zwischen zwei Hostien werden ganze Mandeln mit Honig verkleistert und ergeben später im Mund eine etwas staubige Angelegenheit.

Wer Monte Sant´Angelo von Vieste aus besucht dem empfehle ich die Anfahrt mitten durch den Gargano. Über eine schmale Landstraße geht es recht einsam durch den Foresta Umbra, den umbrischen Wald. Zurück sollte man dann die Küstenstraße nehmen. Allein schon die kurvige Abfahrt von Monte Sant´Angelo nach Mattinata beschert reichlich grandiose Ausblicke. 

Foresta Umbra

So ganz fängt das Foto den Flair des Foresta Umbra nicht ein, denn steckt man erst einmal ganz tief in dem riesigen Waldgebiet (über 5.000 Hektar) drin, ist vor lauter hohen Bäumen und wildwuchernden Büschen kein blauer Himmel mehr zu sehen. Was im Sommer dazu führt, dass es herrlich frisch unter den Baumwipfeln ist. Zahlreiche Wanderwege durchziehen das Gebiet, zu denen ich jedoch leider keine nähere Auskunft geben kann. Wer wie ich einfach eine Runde durch den beeindruckenden Ur-Wald spazieren gehen und nicht wandern möchte, begibt sich zum Besucherzentrum (Centro visitatori), das knapp 25 km von Vieste entfernt liegt. Rund um das Zentrum liegt ein See, ein kleines Museum und ein Netz aus Wegen, auf denen man die Flora und Fauna des Waldes erkunden kann.