Oasen in Rom: Das zauberhafte Garbatella!

Das Stadtviertel Garbatella liegt im Süden Roms. Zwischen der Via Ostiense und der vielbefahrenen Via Cristoforo Colombo. Zwischen der Cestio Pyramide und der Basilika San Paolo Fuori le Mure. Ein Viertel, dessen unerwartet ländlich rustikale Charme mitten in Rom mich mitten ins Herz traf! Rosenhecken blühen vor schmucken Häuschen. Hasen hoppeln auf gehegten Rasenflächen. Die engen Sträßchen sind frei von Verkehrslärm. Es ist unfassbar ruhig, grün und idyllisch. 

Entstanden ist Garbatella in den 20er Jahren. König Vittorio Emanuele selbst legte 1920 den Grundstein. Weinberge und Schafweiden mussten für ein Städtebauprojekt weichen, dessen Vorbild die englischen Gartenstädte waren. Wobei der Focus hier weniger auf die Grünflächenstaltung lag, als die Bezeichnung vermuten mag. Gartenstädte sollte zuallererst die miserablen Wohn- und Lebensverhältnisse der durch die rasant fortschreitende Industrialisierung gebeutelte Arbeiterklasse verbessern. Wie die Wortwahl schon verrät: Gartenstädte waren zugleich ideologische Bewegung und architektonischer Stil.  Nun sollte in Rom eine Wohnsiedlung mit Häusern nicht höher als drei Etagen und Grünflächen für Bauarbeiter und ihre Familien entstehen.  In Ostia hatte man einen Großhafen geplant. Ebenso einen Kanal, der parallel zum Tiber entstehen und bis nach Testaccio führen sollten. Die großtrabenden Hafenpläne verliefen im Sande. In Ostiense hingegen wuchs ein geschäftiges Industriegebiet und gleichzeitig der Bedarf an Arbeitern heran. Garbatella wuchs mit und veränderte sich. Unter den Faschisten wechselte sichtlich der Architekturstil. Die Häuser wurden höher. Die Fassadengestaltung weniger filigran. Grünem und den Bewohnern wurde weniger Platz eingeräumt. Ende der 20er Jahre fand in Garbatella ein erwähnenswertes Wohnprojekt statt. Vier Wohnhäuser entstanden als sogenannte "Vorstadthotels". In ihnen wurden Umsiedler und Obdachlose untergebracht. Es gab indidviduelle Schlaf-und Wohnzimmer für die Familien. Alle weiteren Räume wurden im Kollektiv geteilt. Waschräume, Küche, Speisesaal. In den unteren Stockwerken der Häuser wurden Kindergärten, Schulen, Desinfektionsräume!, eine Polizeistation, eine Kirche etc.  eingerichtet. Ein Wohnungsbauprojekt, das sogar die Aufmerksamkeit Gandhis auf sich zog. Er besuchte den Kindergarten der "Vorstadthotels" im Dezember 1931.  Noch heute ist Gabartella ein faszinierender Ort. An den Hauswänden sieht man immer wieder Schilder mit dem Wort "Lotto", dahinter einer Zahl. Garbatella wurde Blockweise erbaut. Jeder Block, sprich "Lotto" , der entweder aus einem großen Palazzo oder vielen kleinen Villen nebst Außenflächen bestand, wurde eine Nummer zugeordnet.  Der Zahn der Zeit und leere Kassen zehren an mancher Stelle an der Bausubstanz. Vom Verfall ist diese Gegend jedoch ganz weit entfernt. Ihre engagierten und durchaus streitbaren  Bewohner kämpfen nicht nur um den ursprünglichen Erhalt ihres Viertels sondern beleben es mit vielen kulturellen Angeboten und ausreichend Raum für Individualität, aber auch sozialem Miteinander. Ganz in der Tradition des einstmals gegründeten Arbeiterviertels ist die politische Ausrichtung des Viertels definitiv links einzuordnen.  Soviel zur Geschichte von Garbatella. Die Informationen sollten als Background für einen kleinen Spaziergang zwischen Villen, Gärten, historischen Sozialbauten und über zahlreiche Plätze reichen. Mit der Metro B gelangt man zur Haltestelle "Garbatella". Von dort geht es über die "Piazza Augusto Albini" durch den ländlichen Charme der "Via Giovanni Ansaldo" über die "Piazza Nicola Langobardi" zur "Via  Roberto de Nobili", in die Sie links einbiegen in Richtung "Piazza Michele da Carbonara". In diesem Bereich treffen Sie auf die oben erwähnten 4 "Vorstadthotels". Das "Albergo Rosso" werden Sie sofort erkennen. Von dort lohnt sich ein kurzer Abstecher zur "Piazza Eugenio Biffi", um den Komplex in voller Pracht zu bewundern.  Nun alles wieder zurück zur "Via Roberto de Nobili", die Sie bis zur "Piazza da Giovanni da Triora" durchgehen. Hier empfehle ich eine kleine Pause in der Bar "Dei Cesaroni" einzulegen und unbedingt einen Blick ins Innere zu werfen. Die Besitzer der Bar sind echte Originale und unübersehbar AS Rom Fans. Weiter geht es leicht rechts auf der  "Via Cristoforo Borri" , um kurz darauf wieder rechts auf die "Via Daniele Comboni" einzubiegen. Die Schule auf der linken Seite ist sehr interessant. Vor der Markthalle noch rechts dann wieder links auf die "Via Francesco Passino", der Sie geradeaus folgen bis zur "Piazza Bortolommeo Romano". Dort befindet sich das Theater Palladium. Rechts um die Ecke befindet sich eine Haltestelle der Linie 715. Mit der gelangen bis zum "Teatro di Marcello" in direkter Nähe zur Piazza Venezia.