Der frühe Vogel...

Ich versuche, den Touristenströmen immer einen Schritt voraus zu sein. Meine Touren beginnen meist früh morgens. So entgeht man zumindest für ein paar Stunden dem Gedrängel in den Gassen. Heute stand ich bereits um 7.30 Uhr vor dem Petersdom. Bei strahlendem Sonnenschein.

Die Schlange vor der Sicherheitsschleuse war sehr übersichtlich. Die Wartezeit betrug kaum 5 Minuten. Zu einer späteren Uhrzeit kann das Anstehen viel länger dauern. Manchmal sieht man dann schon von der Via di Conciliazione aus wie eine Menschenraupe sich in und aus dem Petersdom schiebt.

Nicht nur wegen des Andrangs besuche ich Sankt Peter nicht so häufig wie die drei übrigen Papst-Basiliken: Santa Maria Maggiore, San Paolo fuori le Mura, San Giovanni in Laterano. Die Stärke des Petersdoms ist gleichzeitig seine "winzigkleine" Schwäche: diese unglaubliche Größe und Weite, in die der Kölner Dom viermal hinein passen soll. Ich bin zwar beim Eintreten jedes Mal wieder von all diesen Eindrücken ringsherum überwältigt - und auch der Besuch des Petersdoms ist meiner Meinung nach für jeden Rombesucher ein absolutes Muss - aber ich mag mich einfach nicht lange aufhalten, so wie in Santa Maria Maggiore. Man fühlt sich leicht verloren und klein zwischen all dem Überdimensionierten. Was natürlich wiederum der Sinn dieses superlativen Kirchenbaus ist.

Heute bin ich jedoch etwas länger als sonst geblieben. Ich hatte mich "per la messa" zu einigen Nonnen in die Kirchenbänke gesellt. An den drei Altären vor mir fand an zweien davon eine Messe statt. Rechts auf Englisch mit 6 recht betagten Teilnehmern. Die Gruppe links meinte ich als Südamerikaner indentifizieren zu können. Sowohl die kleine Gruppe und der Priester machten mir einen extrem feierlichen Eindruck. Im Mittelpunkt stand ein Paar mittleren Alters. Recht leger gekleidet. Beide in Jeans, einige aus der Gruppe sogar in Adidas Trainingsanzügen. Plötzlich trat das Paar vor, die Frau zog ein silbernes gehäckeltes Tuch hervor und legte es sich über den Kopf. Ringe wurden getauscht, der Priester verteilte Küsschen und alle fingen an zu weinen. Vor den obligatorischen Fotos, auf denen alle ernst in die Kamera schauten, wurde noch einmal kurz gebetet. Offensichtlich war ich unverhofft Zeugin einer Blitzhochzeit geworden. Auch dieser riesige unpersönliche Kirchenbau bietet Raum für solch persönliche Momente. Wenn Sie also den Petersdom besuchen, dann halten Sie nicht nur nach Bernini oder Michelangelo Ausschau. Manchmal ist auch eine überglückliche südamerikanische Hochzeitsgesellschaft die eigentliche Sehenswürdigkeit.

 

Wenn Sie schon einmal früh unterwegs sind, dann empfehle ich Ihnen einen Spaziergang durchs morgendliche Rom. Unter "Touren" finden Sie zwei Rundgänge, die Sie sehr gut einem Beusch des Petersdoms anschliessen können.