Ein ungeplanter Spaziergang an einem heißen Sonntag im Oktober...

...an dem wir völlig vergessen hatten, dass eine Papstmesse mit Marienweihe auf dem Petersplatz stattfinden würde. Wir waren mit dem Auto auf dem Weg in die Stadtmitte. Von dort wollten wir mit der Buslinie 23 raus zur Basilika San Paolo fuori le Mura. Danach weiter zum Aventin oder nach Testaccio auf einen kleinen Sonntagsspaziergang. Soweit zu unseren Vorstellungen.

Tatsächlich herrschte in der Innenstadt jedoch ein heilloses Verkehrschaos. Als wir es endlich bis zur Piazza di Risorgimento geschafft hatten, fielen uns die Massen an Pilgern auf. Mehr als 100.000 Gläubige hatten die Messe besucht, die exakt zu dem Zeitpunkt endete als wir zu unserem Stammparkplatz in Nähe des Petersdoms gelangen wollten. Auf dem Parkplatz kamen wir dann irgendwann an. In der Zwischenzeit hatten wir für den Beschluss gefasst für die nächste Stunde kein öffentliches Verkehrsmittel zu nutzen. Also sind wir zur Fuss entlang des Tibers in Richtung Trastevere gelaufen. Von der Brücke Vittorio Emanuelle II dauert es über die Via della Lungara vorbei an der Villa Farnesia und dem Botanischen Garten ungefähr 15 Minuten bis man in den Gassen von Trastevere landet.

 

An dieser Stelle möchte ich dringend den Besuch einer Kirche empfehlen, die nicht unbedingt im Mittelpunkt des touristischen Interesses liegt:

Santa Maria della Scala (nicht zu Verwechseln mit Santa Maria in Trastevere) in der Via della Scala. Ein schummriger Ort, ideal,  um Kitsch in seiner vollendesten Form zu bewundern und um wahnwitzige Kronleuchterkonstruktionen zu entdecken.

Man kann Trastevere am Abend besuchen, wenn man es voll und trubelig mag. Gerade im Sommer herrscht eine Art Jahrmarktatmosphäre in den schmalen Gassen, die tagsüber viel mehr Raum haben, ihren eigenen leisen Charme zu verprühen. Dann wähnt man sich mitten in einem süditalienisches Dorf. Die Wäsche hängt aus den Fenstern, im Forno herrscht reges Gedränge, an den Ecken stehen kleine Grüppchen zusammen und halten ein Schwätzchen. Am Besten man schaut sich einfach beide Gesichter von Trastevere an und macht tags und nachts einen Abstecher zum Cremi. Die Eisdiele liegt in der Vicolo del Cinque. Das Eis ist ausgesprochen lecker, die Crepes riesig und die Damen hinter der Theke punkten zudem noch mit ihrer Freundlichkeit.

Gestärkt mit einer Portion "Fior di Latte" e "Galak" sind wir heute weiter durch Trastevere zur Tiberinsel.

 

Auf der Isola Tiberina befindet sich ein Krankenhaus, die Basilika San Bartolomeo all’Isola und die digitale Temperaturanzeige, welche sommerliche 27 Grad anzeigte. Rein optisch stehen die Zeichen bereits jedoch auf Herbst.

Über die Ponte Fabricio gelangt man ans andere Ufer. Von hier aus stehen einem viele Wege offen. Über den Baumwipfeln lugt die Quadriga des Vittoriano hervor und gibt eine mögliche Richtung vor. Rechts reckt sich der Campanile der Santa Maria in Cosmedin in die Höhe. Nach einem kurzen Blick auf den Bocca della verità  kann man von dort weiter hoch auf den Aventin, um  den Blick aus dem Orangengarten über Rom zu geniessen.

 

An diesem Sonntag sind wir einfach rüber auf die andere Straßenseite vorbei am Teatro di Marcello und den Kosheren Restaurants des Jüdischen Viertels weiter zum Campo di Fiori.

Die Geschäfte in den schmalen Gassen haben auch sonntags geöffnet. Es herrscht ein reges Treiben, dass auf den Campo di Fiori mündet. Ein wenig ruhiger geht es direkt um die Ecke zu.

Auf der Piazza Farnese. Die Steinbänke vor der franz. Botschaften laden zu einer kurzen Pause ein. Von dort aus kann man sich in Ruhe die beiden Springbrunnen anschauen. Die Badewannen stammen aus den Caracalla-Thermen und wurden im 17. Jahrhundert zu ihrer jetztigen Bestimmung umgebaut.

Wer Zeit hat sollte der kleinen Chiesa Santa Brigida eine Stippvisite abstatten. Mit etwas Glück trifft man ein Schwester des Brigittenordens. Sie tragen einen ungewöhnlichen Haubenschmuck, der an eine Fürstenkrone erinnert.

 

Wir sind an diesem Sonntag in Richtung Tiber geschlendert. Auf dem Weg auf die andere Uferseite gab es zum Abschied noch einen herbstlichen Blick auf den Petersdom.